Sunday, August 29, 2010

Letters to No One

Und wieder einmal haben wir gestritten.

Findest du nicht auch, es passiert zu oft in letzter Zeit?

Dabei begann es, wie immer, mit einer harmlosen Diskussion. "Grundsatzdiskussion" hast du sie genannt. Und ich habe mich darauf eingelassen, weil ich dich verstehen wollte. Weil ich dachte, dass hinter deinen Worten Kritik steht, die an mich gerichtet ist. Es war keine harmlose Diskussion. Wir haben schnell gemerkt, dass wir auf keinen grünen Zweig kommen, dass unsere Ansichten zu unterschiedlich sind.
Wir beschlossen, das Thema ruhen zu lassen.

Und es passierte das selbe, wie jedesmal wenn wir das beschließen.
Nach einer kurzen Schweigepause haben wir weiterdiskutiert. Und wieder gemerkt, dass das zu nichts führt.
So ging das uns bekannte Spielchen hin- und her, und ich merkte, dass du immer emotionaler wurdest.
Das hat meinen Verdacht, dass mehr dahinter steht, nur bestätigt. Ich wollte es doch nur wissen. Ich wollte ich beruhigen, beschwichtigen, ich wollte dir deine Vorurteile nehmen. Ich weiß nicht, was dir in deinem Leben widerfahren ist dass du zu dieser Meinung gelangt bist. Oder was denen, die dir nahestehen widerfahren ist. Ich wollte dir doch nur näherbringen, dass es auch das Gute in der Welt gibt. dass nicht alle Menschen so sind, wie du es ihnen vorwirfst zu sein.


Ich wollte dir deine Vorurteile nehmen. So wie, dass nicht alle gepiercten Frauen crackabhängige Huren sind. Dass nicht jeder mit einem Tattoo ein dummer Prolet ist. Dass manche Menschen Dinge machen, weil sie ihnen wirklich gefallen und nicht, weil es ihnen die Gesellschaft und die Modewelt vorsagt. Ich habe gemerkt, dass viele deiner Vorurteile nur Assoziationen sind. Verstehst du nicht, dass es mich stört, dass du mich mit einer crackabhängigen, tätowierten Proleten-Hure assoziierst? Ich weiß, dass du Angst davor hast, dass das passiert, wenn ich mir ein Piercing stechen lasse, mich tätowiere. Aber kannst nicht versuchen, deine Vorurteile, deine Assoziationen, abzulegen, anstatt mich in meiner persönlichen Entfaltung zurückzuhalten?
Ich wollte nur wissen, was diesmal dahinter steht. Welche Assoziation das Gespräch in dir geweckt hat. Doch dann hast du die Nerven verloren, gesagt du willst nicht mehr darüber reden. Und hast dich abgewendet.
Und dann bin ich aufgestanden und gegangen.
Ich weiß, dass du jetzt wütend bist.


Du erwartest von mir, dass ich mich bei dir entschuldige. Weil ich dich verärgert habe, mit meinen Worten. Und weil ich weggelaufen bin. So nennst du es. Weglaufen. Als würde ich vor meinen Problemen weglaufen.
Aber wenn ich merke, dass es zu nichts führt, weiterzureden, dann gehe ich eben. Obwohl - oder genau weil? - ich weiß, dass dich das stört.
Du bist dann noch wütender auch mich, und schweigst mich an. Ich wusste nicht, dass man einen derartigen Zorn so stumm vermitteln kann, bevor ich dich kennengelernt habe.
Du erwartest, dass ich zurückkomme, und mich entschuldige. Dass ich angekrochen komme, mir all die Fehler eingestehe, die ich nicht einmal verstehe, die ich aber offensichtlich gemacht habe. Es ist immer sehr schwierig, herauszufinden, wofür du eine Entschuldigung hören willst, viel zu oft sehe und verstehe ich nicht, was ich falsch gemacht habe. Aber immer wartest du, dass ich zu dir komme, und mich entschuldige. Und dann streiten wir, was ich falsch gemacht habe, was du falsch gemacht hast. So lange, bis ich erkenne dass du ja mit allem recht hast, und dass ich ein echtes Arschloch bin, und dann weine ich. Weil ich mich selbst hasse. Und dann glaube ich dir nicht mehr, dass du mich liebst.

Und trotzdem, obwohl ich so ein Arschloch bin, sitzt du da und wartest. Wartest darauf, dass ich mich entschuldigen komme. Dabei bin ich auch wütend. Zornig, dass immer ich den ersten Schritt tun muss. Merkst du nicht, dass du mich auch verletzt hast? Ich wollte dir nichts Böses, wollte dich doch nur verstehen. Dass du so reagiert hast, weil ich irgendetwas in dir geweckt habe - eine Assoziation - wie sollte ich das denn vorher wissen? Wie soll ich es verstehen, wenn du dich weigerst, es mir zu erklären? Doch du hast abgeblockt, mich angeschrien, und mich damit verletzt.


Was mich am meisten verletzt, ist dass du einmal mehr von mir erwartest, dass ich mich entschuldige. Mir tut es weh, zu sehen, dass du nicht siehst, dass du mir auch wehgetan hast. Du bist so mit deinem verletzten Stolz beschäftigt, dass du nicht merkst wie sich die Scherben meiner Seele, über die du läuft, in deine Fußsohlen bohren. Du spürst den Schmerz vielleicht, aber du denkst es ist dein eigener. Du merkst nicht, dass ich schon längst zerbrochen bin.


Du wirst nicht auf die Idee kommen, dich zu entschuldigen.
So ist es immer.
Du wirst warten, bis ich nicht mehr kann, ein Stellungskrieg, ein Nervenkrieg, bis einer die Nerven verliert und aufgibt. Und das bin ich. Wie immer.
Und ich werde mich ärgern, dass ich es tue, dass ich schon wieder nachgebe.
Ich werde mich fragen, wieviel ich dir eigentlich noch bedeute, wenn du nichtmal merkst, dass du mir wehtust, wenn du nicht siehst, wie es mir geht.

Und trotzdem werde ich angekrochen kommen.
Weil ich dich niemals genug hassen können werde, um dich nicht mehr zu lieben.

2 comments:

  1. Wow ein echt schön geschriebener Text!
    Ich kann dich verstehen, es ist nicht einfach, mit jemandem zu streiten, den man liebt.
    Und sich von demjenigen dann so unverstanden, missverstanden zu fühlen.
    Es scheint ja nicht einfach zu sein bei dir.
    Aber ich wünsche dir einfach mal, dass du Vorurteile beiseite schaffen kannst und alles am Ende gut wird!
    Vor allem aber, dass sich der Mensch, den du liebst etwas ändert und mehr an deine Gefühle denkt.

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  2. Vielen Dank für die aufmunternden Worte :) Meistens hilft es ja schon ziemlich viel, sich das ganze einfach nur von der Seele zu schreiben... danke fürs zuhören, besser gesagt - lesen ^^

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