Saturday, September 11, 2010

Ob dick oder dünn....

Immer wieder lese ich (auf anderen Blogs, aber auch in Zeitschriften), vom Mager- und Diätwahn, und dass sich zum Glück immer mehr Leute dagegen sträuben, die im Rahmen dieser Wahnvorstellungen propagierten Ideale als "normal" hinzunehmen..
Lange Zeit galt dünn als chic und wurde gehyped, es wankten unterernährte Klappergestelle über die Laufstege der Welt, und langsam aber sicher erkämpfte sich ein völlig unrealistisches Bild von Schönheit einen fixen Platz in unserem Denken. Dicke, oder sogar auch nur mollige oder "gut gebaute" Menschen wurden und werden immer noch beschimpft und wegen ihrer Leibesfülle fertiggemacht.

Mittlerweile wird jedoch langsam der Schlankheitswahn vom Gesundheits- und Fitnesswahn abgelöst. Im Rahmen dessen wurde allgemein erkannt, dass zu dünn zu sein gesundheitsgefährdent ist, genauso wie zu dick zu sein.
Und das stimmt ja auch.
Bloß geht diese Entwicklung Hand in Hand mit einem unschönen Phänomen, welches ich als "Anorexia-Phobia" bezeichne.




Plötzlich wittert jeder Hobby-Diätologe an jeder Ecke eine Magersüchtige, jedes Mädchen dass wenig isst oder dünne Arme hat, wir gleich einmal schief angeschaut.Und was am allerschlimmsten ist, dass dabei die meisten Leute die Frauen zu 99% auf die Größe der Brüste reduzieren. Gesehen in einem Magazin Anfang des Sommers - der Artikel zeigte Fotos zum Thema "Bikinifiguren der Stars". Dort sah man eine Promi-Dame (mir leider unbekannt), schlank, ein wenig ungünstig abgelichtet wodurch ihre Schulterknochen gerade stärker zu sehen waren, und schon wurde durch den Kommentar in großen fetten Lettern "Magersucht" imaginärerweise auf ihre Stirn gestempelt. Gut, abgesehen davon, dass ich bei dem Anblick eigentlich bloß der Meinung war, eine ganz normale Frau mit "drahtiger" Figur vor mir zu haben, dachte ich ich spinne, als ich das Bild und die Beschriftung direkt daneben entdeckte. Michelle Huntziger war darauf zu sehen, im Bikini. Das Foto hatte ungefähr die selbe größe, die selbe Perspektive. Bloß ihre Pose war anders, weniger unvorteilhaft. Und sie hatte etwa doppelt so große Brüste wie die andere Frau. Und ihre Figur wurde hochgelobt und als perfekt beschrieben.

Finde nur ich dass da irgendwas schief läuft?

Dass man zu dünne oder zu dicke Menschen nicht als "ideal" empfindet, ist jedermanns persönliches Recht und hängt einfach vom Geschmack ab. Gefährlich wird es natürlich ab da, wo das Über- oder Untergewicht gesundheitsgefährdend wird. Aber ich denke dazwischen befindet sich doch ein breiter Spielraum mit einer Fülle an verschiedenen Staturen und Körperbauweisen.
Nicht jedes Mädchen das pummelig ist, muss deswegen gleich schlecht aussehen. ABER: genauso muss nicht jedes Mädchen, dass etwas dünner ist als andere, gleich als magersüchtig abgestempelt werden!

Viele werden von irgendwelchen Idioten blöd angemacht, dass sie zu dick seien, obwohl sie sich mit ihrer Figur wohl fühlen und eigentlich auch alles andere als dick sind, sondern einfach nur fülliger, üppiger, wohlproportioniert. Das ist ohne Frage gemein und unter aller Sau, und meistens werden diese Leute auch von normalen, intelligenten Menschen wieder aufgebaut, die ihnen sagen, dass ein wohlproportioniert Körper besser ist als einer, an dem "nix dran ist" und die meisten Männer hätten "sowieso lieber was zum anfassen".
Aha, und wie sieht das Gegenbeispiel aus? "Meine Güte, hast du schon wieder abgenommen? Du wirst auch immer dünner. Guck mal, man sieht sogar schon deine Rippen!" Klar, es kommt seltener vor, dass man angemacht wird, weil man zu dünn ist. Aber es kommt auch seltener vor, dass man beachtet wird. Und hier komme ich wieder auf das Thema Brüste zurück. Eine dünne Frau und eine mollige Frau mit jeweils großen, schönen, wohlgeformten Brüsten, erhalten sicherlich gleichermaßen viel & mehr männliche Aufmerksamkeit, als eine schlanke Frau mit kleinen Brüsten. Die bekommt nämlich nur gesagt, sie soll mal lieber mehr essen bevor sie vom Fleisch fällt.

Ich empfinde das als ungerecht, aber es wäre nicht so schlimm, wenn einem nicht jeder zweite Mensch vor Augen halten würde, dass man ja "zu dünn" sei und "ob man denn auch ordentlich esse".
Ja, ich denke man hat es schon gemerkt an der Art wie ich schreibe, in diesem Eintrag stecken sehr viele persönliche Erfahrungen.
Ich bin eine von diesen Frauen, die nicht mit einer überaus üppigen Oberwiete gesegnet sind. Und ich verfluche sämtliche höheren Mächte dafür, weil es mir in meinem Leben bis jetzt nur Nachteile erbracht hat. Scheiß auf all die Frauen, die sich beschweren, dass ihnen die Kerle ständig in den Ausschnitt gaffen. Ich wette, ihr habt bei einem Vorstellunsggespräch bessere Chancen als ich! Scheiß auf die, die meinen "Bei der sieht man ja die Rippen! Gott ist die dünn!" mit abfälliger Stimme und voll Entsetzen. Was wollt ihr von mir? Dass ich Essen in mich reinstopfe wie eine Verrückte? Davon werd ich auch nicht schöner, ich bekomm keine größeren Brüste, und meine Rippen wird man Aufgrund meines Körperbaus vermutlich auch dann noch immer sehen. Dafür werden sich hässliche schwabbelige Fettpolster an meinen Hüften und an den Flanken sammeln, meine Oberarme werden aufquellen und meine Backen werden aussehen wie die eins Hamsters. Toll. Sorry, aber da bevorzuge ich doch meinen Körper, so wie er jetzt ist.

Ich finde mich selbst nicht mal sonderlich oder gar extrem dünn. Ich bin vielleicht schlank, und ja, man sieht meine Rippen. Aber ich hab stattliche 90cm Hüftumfang und bin auch vom Gewicht her nicht Untergewichtig. Hätte ich auch noch 90cm Brustumfang würden sich vermutlich weniger Leute daran "stören", dass man meine Rippen und mein Schlüsselbein sieht. Aber 90cm Brustumfang werde ich sicherlich niemals erreichen, egal wieviel ich esse.
Ich mag meine Figur ja einigermaßen, aber ich sehe es einfach nicht ein, dass mich die Leute schief ansehen, wenn ich sage "Ja ich will um die Hüften herum und bei den Beinen etwas abnehmen". Mir geht es auch nicht um mein Gewicht sondern um den Umfang, damit alles einfach proportioniert aussieht und zusammenpasst. Dann heißt es gleich "Du bist doch eh so dünn!" und gleich kommen wieder alle, ich sei Magersüchtig. Tja, nur leider kann ich mir keine Brust-OP leisten die meine Titten an meine Hüften anpasst, also muss ich umgekehrt danach streben durch Sport meine Hüften und Beine an den Rest anzupassen, ist das wirklich so schlimm??

Nicht alle dünnen Menschen sind "absichtlich" dünn. Sie sind das nicht, um euch zu ärgern, damit ihr euch fett fühlt. Sie sind einfach so. Und sie wissen genau, dass sie, wenn sie 10 Kilo zunehmen, diese ganz sicher nicht an den Stellen ansetzen würden, wo man(n) sie gerne sehen würde.

Natürlich geht es in diesem Post bis dato in erster Linie eher um Frauen. Bei Männern ist es ja "normal" dass diese unterschiedliche Staturen haben, unterschiedliche Breite Schultern, Nackenbreite, Hüftbreite, Muskulatur etc. Dies wird soweit akzeptiert und hier gilt die Diversität als Standard.
Warum ist das bei Frauen nicht so?
Ich verstehe es nicht. Ich finde es traurig dass als "Gegenbewegung" zum Magerwahn nun auf die etwas dünneren Menschen losgegangen wird. Denkt mal darüber nach, ob einige von denen nicht vielleicht sogar nur deswegen so "dürr" und "magersüchtig" aussehen, weil sie keinen 90C Vorbau vor sich herschieben.


Mich nervt es jedenfalls, dass heute jeder "dünnen" Frau Magersucht nachgesagt wird.
Gleichzeitig finde ich es reichlich unfair, dass dünne, einfach nur schlanke, gesunde Frauen durch den einstigen Magerwahn total unbeliebt geworden sind. Man hört heutzutage viel öfter "Naja Männer haben halt lieber was zum Anfassen", "Knochen sind nur was für Hunde!", "So Klappergestelle sind halt nicht richtig weiblich und daher total unattraktiv" oder "Echte Männer stehen halt auf Kurven!" (<- der Klassiker) als "Ich find du hast ne schöne Figur, du bist echt schlank!"
Schlank sein ist ein Tabu. Langsam oder sicher wird Schlankheit ein Stimga, mit dem einem sofort eine ungesunde Lebensweise angekreidet wird. Ich finde das geht ein bisschen zu weit.

Anorexie ist ein ernstes Thema. Wenn ein  Mensch so dünn ist, dass es seine Gesundheit gefährdet, und er so wenig isst dass es lebensbedrohlich wird, dann ist natürlich die Grenze des "guten Geschmacks" überschritten...
Aber gerade deswegen sollte nicht leichtfertig mit dem Wort "Magersucht" um sich geworfen werden.
Genauso, wie zwischen wohlgeformt/üppig/mollig und dick (im gesundheitsgefährdenden Sinne) ein Unterschied ist, ist auch ein Unterschied zwischen drahtig/schlank/dünn und mager. Aber da "dick" und "dünn" in den Köpfen der Menschen als absolute Gegenteile eingespeichert sind, ist es offenbar unmöglich, unterschiedliche Körperbau-Typen im Rahmen eines breit gefächerten Schönheitsideals zu vereinen, was ich ziemlich traurig finde.
Das mag jetzt wie Haarspalterei wirken, aber im Grunde genommen weist es doch darauf hin, dass die Gesellschaft ein wenig "hypersensibilisert" ist, was das Wort "dünn" betrifft. "Dünn" allein ist nicht schlecht. "Mager" ist schlecht. "Magersucht" ist ganz schlecht. Aber dünn ist einfach nur dünn, und dünn sein allein heißt nicht dass man miese Ernährungsgewohnheiten hat und seinen Körper gefährdet.

Eines möchte ich hier zum Schluss noch klarstellen. Ich heiße den Magerwahn nicht gut. Ich weiß, dass Magersucht ein ernstes Thema und für die Betroffenen ein großes Problem ist. Ich möchte hier niemanden ermutigen, eine ungesunde Ernährungsweise wie jene im Rahmen einer Anorexie, zu betreiben.
Ich selbst finde üppige Frauen auch sehr schön. Ich mag wohlgeformte Brüste.
Ich bin aber der Meinung, dass auch schlanke Frauen ein Recht darauf haben, sich schön zu fühlen und "schön befunden zu werden", aber in einer Gesellschaft die "Schlankheit" mit "Magersucht" gleichsetzt, ist dafür offenbar leider kein Platz.

4 comments:

  1. Hast du dich in Rage geredet? ;D

    Ja ich finde es auch unfair.
    Was Kurven angeht: ich habe obenrum auch keine/kaum welche. Manche verwechseln das dann direkt mit kurvenlos. Das stimmt nicht. Taille und Arsch gehören auch dazu. Und selbst wenn man keine Kurven, sondern eine burschikose Figur hat, ist das für viele Männer sexy.

    Ich persönlich finnde die drahtige Figur mit Taille, Hüften und nicht zu8 großer Oberweite toll.
    Deswegen muss ich wieder anfangen zu joggen, meine Beinmuskulatur hat da echt nachgelassen ;D

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  2. OHHH MEIN GOOOTT !
    Der Eintrag ist... er ist.. PERFEKT Q_Qd
    Er drueckt all das aus, was ich denke und fuehle und ebenfalls erfahren habe !!! OMG!
    Ich liebe den Eintrag haha ! xD Endlich jemand dems genauso geht und/oder der es genauso sieht !

    Ich hab mit genau den gleichen Problemen zu kaempfen. Ich hab sehr sehr sehr duenne Arme und so gut wie gar keine Oberweite.
    Und schon wird man von allen gefragt. Sag mal, isst du nicht genug ? Nimm mal zu ! Du faellst ja fast vom Fleisch ab!
    Dass das auch fuer uns verletzend sein koennte, daran denkt niemand!! Und immer heulen die molligeren, sie koennten dies nicht tragen und das nicht tragen.
    Ich kenne einige molligere und auch jmd., der sehr pummelig ist, aber ihre Koerper sind so schoen geformt... ich kenn niemanden der sich an ihren Koerpern stoert!
    Aber sie jammern und sagen "Ja duuuuu, du hast ja sooo ne tolle Figur, du kannst alles tragen!"
    Kann ich aber eben gar nicht!!! Wegen meiner Oberweite!! Vor allem Bikini-Suche ist eine Qual und ich leide so sehr darunter und keiner hat Verstaendnis. Und wenn man das dann erklaeren will, kommen aber die anderen und sagen "Du hast doch ne tolle Figur, viel besser als so Klappergestelle!" und du stehst daneben und denkst dir nur, na danke!

    Hach, der Eintrag ist echt super und ich muss das einfach dick und fett unterschreiben und einfach mal 5 Daumen hoch (wenn ich so viele haette..)! Koennte noch ewig weiter labern aber ich mach mal Schluss. XD

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  3. Schubladendenken ist doof ich glaub das ist sonneklar :D
    Das einzige was mich an dieser ganzen Kiste stört ist das die Medien soviele Mädchen/Frauen krank machen und ganz viele weinen weil sie alle ach so gestört sind und mal Abführmittel benutzt haben und deswegen nun Essprobleme haben,das wird immer inflationärer.
    Es wird viel zu oberflächlich bewertet man weiß nie was die Person alles durchgemacht hat und wenn man sie auf der Straße sieht sagt man leichtfertig"boar ist die magersüchtig die fällt ja bald vom stängel,findet die das hübsch usw".
    Vielleicht ist aber auch etwas traumatisches passiert und hat diesen Gewichtsverlust verursacht....man kann nie dahinter sehen und deshalb finde ich vorurteile echt mies...
    guter post!

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  4. Sehr sehr später Post, hab den Artikel aber gerade erst gelesen und fand ihn ziemlich interessant. Als damit, dass dünne Menschen zum Teil als Magersüchtig "verunglimpft" werden, gerade Stars, hast du sicher recht und deine Aufregung darüber ist berechtig, gerade wenn dir das selbst öfters passiert. Ich persönlich empfinde, zumindest das Magersucht-Gerede in den Medien, dabei jedoch eher pseudo- oder vorzeigehaft. Es wird auf einige dünn gehackt (natürlich ungerecht), um zu zeigen das man angeblich für eine gesunde Ernährung ist, dann jedoch weiterhin ein Schönheitsideal zu vertreten, dass für viele, die nunmal anders gebaut sind, nur auf ungesundem Wege zu erreichen ist. Dünn zu sein ist und bleibt das wichtigste, wobei leichtes Übergewicht laut Studien eigentlich gesunder sein soll, also sogar gesunder als Normalgewicht. Auch große Brüste, die "echte Männer" angeblich wollen sind längst nicht mehr so beliebt wie vor 50 Jahren. Dünn (bis Mager) ist den meisten mittlerweile viel wichtiger als die Körpchengröße (siehe: https://www.elitepartner.de/forum/an-die-maenner-welcher-figurtyp-gefaellt-euch-22860.html). Liegt vielleicht mit daran, dass auch Männer (oder zumindest Jungs) immer mehr eher dünn sind /sein wollen als richtig Muskulös. (Ich selbst bin schlank (nicht dünn), etwas kurviger und habe eher große Brüste und so sind meine Beobachtungen, auch durch viel Foren und natürlich den Figuren und Figurveränderungen meiner Umgebung (Schule, Stadt ect.) gebildet.

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