Monday, November 8, 2010

Ich habe einen Fetisch

...und ich versuche ganz und gar nicht durch zweideutige Titel mehr Aufmerksamkeit auf meine Blogposts zu lenken X'D

Nein, eigentlich wäre "Faible" das bessere Wort dafür, aber der Satz kam mir so in den Sinn, und ich musste ihn einfach stehenlassen XD
Also, worum geht es hier jetzt eigentlich?

Ich hab ja am Sonntag berichtet, dass mein Wochenende eher langweilig unaufregend war, doch am Sonntag Abend hat sich ganz spontan doch noch eine sehr Interessante Gelegenheit für mich ergeben.
Und hiermit löse ich auch das Rätsel aus dem Titel:

Ich hab einen Faible für baufällige alte Häuser!




Am Sonntag Abend, kurz bevor ich nach Krems fahren wollte, rief die Schwester vom Hai an und erzählte uns, dass ein Flohmarkt ganz in der Nähe aufgelassen werde, und die restlichen Sachen würden einfach verschenkt.Der Flohmarkt war aber nicht irgendein normaler Straßenflohmarkt, sondern war von den Studenten der uni:brennt Protestaktionen im Vorjahr organisiert worden. 

Long story (more or less) short: als die Studenten im Wintersemester 2009 einige größere Hörsäle der Uni Wien besetzt hatten, und dort auch übernachteten und eine Großküche organisierten, kamen immer öfter obdachlose Menschen vorbei, um bei dieser VoKü (Volxküche) eine warme Mahlzeit und in den Horsälen während des Winters einen trockenen Schlafplatz zu haben. Dies zeigte nur allzudeutlich, dass das Sozialnetzwerk für Obdachlose in Wien nicht so funktioniert wie es sollte, und neben den Studentenprotesten wurden auch andere Projekte gestartet, um diesen Menschen zu helfen, und eines dieser Projekte konnte ich mir nun, rund ein Jahr nach beginn von uni:brennt, hautnah ansehen.

Die Idee dahinter war, ein Zentrum zu errichten, indem Obdachlose übernachten können, etwas zu Essen bekommen und sich in Werkstätten beschäftigen können. Eine Art Mischung aus "Jugendzentrum" und "Betreutes Wohnen"
Zu diesem Zwecke wurde ein billiges Gebäude gekauft, dass nun, finanziert durch Spenden, und den Erlös des Flohmarktes, demnächst renoviert werden soll.

 Ich finde Flohmärkte irgendwie immer deprimierend... vor Allem wenn man altes Spielzeug findet...

Meine unerklärliche Liebe zu alten, baufälligen Gebäuden regte sich schon, als wir an der bröseligen Fassade entlang an eingeschlagenen, demolierten Fenstern vorbeikamen, durch deren verstaubtes Glas man ins Innere spähen konnte. Leere Räume mit nackten, rissigen Wänden, Spuren von verblichenen Tapeten, und ich spürte bereits dieses Kribbeln, das mich immer überkommt wenn ich mich solchen Gebäuden nähere.

Es erscheint vermutlich sehr merkwürdig, dass ich solche Gebäude unglaublich toll finde und stundenlang damit verbringen könnte baufällige, rissige Mauern zu betrachten, in uralten Badezimmern mit Sitzbadewannen zu stehen und jede Fliese einzeln zu betrachten, und über jeden Quadratzentimeter unebenen, ewig alten Holzbodens zu gehen.
Solche gebäude faszinieren mich zutiefst auf eine Weise die ich mir selbst nicht erklären kann. Meine Begeisterung für Architektur, schöne und imposante Gebäude wie Kirchen und Burgen, findet in diesen maroden Gemäuern einen krassen Gegenpol. In gewisser Weise ist es wahrscheinlich morbid, dass ich diesen baufälligen Häusern eine wundersame Art von Schönheit abgewinnen kann.

Aber es ist nicht nur der bloße Anblick der mich zutiefst fasziniert, auch die Gerüche - Ziegelstaub, altes Holz, feuchte Wände... Auch wenn es mich selbst verstört. In solchen Momenten frage ich mich, wie es wohl gewesen ist, an so einem Ort  vor 50 oder 100 Jahren gewohnt zu haben, und stelle mir vor, wie alles damals ausgesehen hat.

Das Haus um das es geht befindet sich im 9. Bezirk in Wien, direkt an der Währinger Straße, und früher befand sich darin eine Kinderwagenwerkstätte.

Alte Werbungen, seien es Plakate oder Inserate, faszinieren mich überigens ebenso wie alte Gebäude.

Irgendwann wurde der vordere Teil des Gebäudes ein Café, in dem angeblich sogar Sigmund Freud des öfteren vorbeigeschaut haben soll. Ein Teil des Gebäudes war noch bis etwa Mitte des Vorangegangenen Jahrhunderts bewohnt...zumindest der Einrichtung der Wohnungen im ersten Stock nach zu schließen. Eine riesige Fototapete, im 70er-Jahre-Style, ziert einen kompletten, rund 20m² großen Raum. Unweigerlich muss ich ein bissche an TWW und der Herbstwald denken.



Die meisten Fotos sind übrigens in Ermangelung von Leuchtkörpern pder Strom in stockfinsterer Dunkelheit entstanden, nur mit Blitz beleuchtet.
Andere Räume scheinen länger unverändert geblieben zu sein. 50er-Jahre und Nachkriegs-Flair. Manche sehen so aus, als wären sie eben erst verlassen worden. Ein Badezimmer mit der wohl größten Badewanne wie ich je gesehen habe, und einem riesigen Waschbecken mit Waschtisch dient als Durchgangszimmer in weitere Räume. Von der Küche ins Bad ins Wohnzimmer...? Die genaue Aufteilung der Räume - wo eine Wohnung aufhörte und die nächste begann, kann man heute nicht mehr wirklich feststellen.

weirde Tapetenmuster überall


Der Dachboden konnten wir leider nicht begehen, zu dem Zeitpunkt hatten wir nämlich null Beleuchtung in den oberen Stockwerken, dafür gab es später eine kleine Kellerführung mit Taschenlampen.

Diesen Kellerzugang haben wir gottseidank nicht benutzt, die Treppe war verdammt Steil und wirkte irgendwie etwas ... unsicher.

Der Keller ist laut dem Architekten, der den Umbau & die Renovierung plant, so in dieser Form wahrscheinlich im 17. Jahrhundert entstanden. Eine Besonderheit des Kellers ist, dass er mit zahlreichen Abluftschächten ausgestattet und somit vollkommen trocken ist. Das merkt man schon wenn man die enge, steile Holztreppe hinuntersteigt - es riecht nicht kellertypisch miefig und nach feuchtem Gemäuer, sondern trocken, nach Ziegelstaub.


Der Keller alleine umfasst ca 300m², verwinkelt und unterteilt, teilweise nur knapp 2m hoch. Der Boden besteht scheinbar nur aus festgetrampelten Sand und Staub, man erklärt uns dass rund eineinhalb Meter noch abgegraben werden sollen, damit die Kellerräume zu Konzert- und Veranstaltungsräumen umgebaut werden können. Denn durch diese Mauern dringt kein Schall nach Außen.

Ständig muss man aufpassen wo man hintritt, um nicht in einem Sandberg zu versinken oder über eine freigegrabene Leitung zu stolpern. Und das in fast völliger Dunkelheit und Stille.


Überall stehen oder liegen die fast schon außerirdisch anmutenden Körbe, die bei näherer Betrachtung als corpora für alte Kinderwägen zu erkennen sind.


 Allein der Anblick der Kinderwägen-Teilstücke, die niemals ihrem eigentlichen Verwendungszweck nachkommen durften, wirkt ein wenig deprimierend und trist. Als würden sie immernoch darauf warten, ihre Bestimmung eines Tages erfüllen zu können.



Gleichzeitig scheint es, dass jede einzelne Wand in jedem Raum und jede Stufe einer Treppe eine eigene Geschichte zu erzählen hat, und überall liegt ein Hauch von vergangenen Zeiten in der Luft. Früher, als "alles besser war". Zumindest für dieses Haus trifft das zu.


 So trocken der Keller ist, so feucht sind manche Räume im Erdgeschoß. Manche sind vollkommen fensterlos, überall kleine Lüftungslöcher in den Wänden, die erfolglos gegen die Feuchtigkeit zu kämpfen scheinen. Spuren von Tapeten oder Wandbemalungen lassen erahnen, dass manche Räume einst wirklich bewohnt waren, anders ist dies aus heutiger Sicht fast nicht mehr vorstellbar.


Sogar im Keller entdeckt man an einigen Stellen Überreste einer Wandbemalung, die vom bloßen Anschauen abzubröckeln scheint. Wenn man mit dem Finger leicht darüberfährt, bleibt auf den Fingerkuppen mehr Farbe zurück als an der Wand.

Zurück oben angekommen, bewunderte ich schließlich noch eine Kuriosität des Flohmarktes. Na, errät ihr was es ist?

 Links erkennt man, dass ein Stück "Hülle" ausgeschnitten wurde... dahinter... oder darin, befindet sich ein weiteres Beheältnis... und sand...? Rechts sieht man, dass das Holz gar kein Holz ist... sondern bemaltes Metall!

Und, erkennt ihr wovon die Bildausschnitte stammen?

Es ist ein alter Safe!


Der Sand ist übrigens Brandschutzsand.


Meine Leidenschaft für baufällige Gebäude kam an diesem Abend jedenfalls wirklich voll zum Zug. Die wenigen anderen Leute die dort waren haben sich wahrscheinlich ziemlich über mich gewundert, wie ich alles fotografiert habe und ständig irgendwo an einer düsteren Kellernische stehengeblieben bin, wo andere nur möglichst schnell wieder rauf wollten XD

Ja, es ist eine merkwürdige Vorliebe, und ich schätze mal nicht viele Leute können in diesen Bildern die selbe "Schönheit" sehen wie ich es tue. Ich weiß auch, dass die Fotografien nicht allzu toll sind - das lag zum Teil an der Kamera, zum Teil daran dass ich wirklich in fast völliger Dunkelheit fotografieren musste, und vorher nicht Richtig sah was genau ich eigentlich fotografierte ^^"
Trotzdem hoffe ich, dass ich ein wenig von dem Zauber dieser "Ruinen" für euch einfangen konnte... so dass ihr vielleicht versteht, was mich an solchen Orten so fasziniert.

6 comments:

  1. ich denke, es ist eine art magie, eine geschichte, die an alten vernachlässigten häusern haftet

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  2. Ich kann dich da vollkommen verstehen, mir geht es da ähnlich, ich frage mich dann auch immer, wer dort wohl gewohnt haben mag und wie sein Leben aussah, so alte Häuser sind schon echt interessant und haben eine Geschichte zu erzäjlen die man im Kopf dann weiterspinnen kann.

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  3. meine wimpern sind nur dank der mascara so lang^^ aber danke für das kompliment!^_^*freu*
    Ich habe mir schon zu dem chibi ein paar gedanken gemacht hab es über das wochenende voll vergessen vor lauter party XD
    Ich denke bis dieses Wochenende schaff ich es mit der Mail^^

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  4. kann ich auch total verstehen!!! ich war letztes jahr zu dieser zeit das erste mal in so einem haus, bzw. in einer fabrik, diese hier, wenn's dich interessiert: http://farm4.static.flickr.com/3177/2785025218_2490af3ac2_z.jpg

    seitdem würde ich am liebsten in jedes verlassen haus in meiner nähe, hoffentlich finde ich demnächst die zeit dazu und mein freund auch, alleine ist mir das zu gefährlich, ist ja auch nicht ganz legal ;)
    und die fotos die entstanden sind, sind einfach nur toll

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  5. wow, irgendwie reizen einen alte baufällige Häuser wirklich! Aber leider darf man ja die wenigsten wirklich von der Nähe aus betrachten. (bzw. man hat nicht wirklich die Möglichkeit dazu, weil auch meistens alles abgesperrt ist). Wirklich spannend, deine Bilder und deine Erzählung dazu! =D

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  6. no real fetish-blogging?
    *blorg is disappointed*

    ò.ó

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