Monday, April 4, 2011

Ein Ausflug in die Entwicklungspsychologie. Oder so ähnlich.

Immer wenn ich auf die beiden Kids einer Freundin meiner Mutter aufpasse, wird mir vor Augen geführt wie absolut unterschiedlich Kinder sich entwickeln können. Das Thema fasziniert mich so sehr, dass ich mir wirklich viele Gedanken darüber gemacht habe. Bloggen wollte ich darüber schon lange, aber irgendwie fand ich nie die Gelegenheit meine ganzen Gedanken auch niederzuschreiben.

Ich bin Einzelkind, meine Stiefgeschwister sind wesentlich (10 und 13 Jahre) älter als ich.
Dass ich ein eigenartiges Kind war, war mir schon immer irgendwie klar, aber ich hatte ja auch niemanden mit dem ich mich wirklich "Vergleichen" konnte, was meine Entwicklung betrifft.
Was ist denn eigentlich "altersgemäßes Verhalten"? In welchem Alter ist welcher Grad an geistiger Reife als "durchschnitt" zu erachten? Wann legt man die kindlichen Verhaltensweisen ab und wann wird man vom Kind zum Jugendlichen?

Diese Fragen hab ich mir in letzter Zeit vermehrt gestellt, weil ich immer öfter in die Situation gerate, dass ich das Verhalten der Tochter mit meinem Verhalten ihrem Alter zu vergleichen zu versuche.
Ich mache das aus Spaß und einer gewissen Faszination heraus, weil ich eben dadurch erst erkannt habe, wie unterschiedlich Kinder im gleichen Alter eigentlich sein können. Auch die Unterschiede zwischen den beiden Geschwistern, die trotz der selben Erziehung entstehen, sind nicht zu leugnen.


Ein paar Worte zur Erklärung/Einleitung.

Das Mädchen, L., ist 12 Jahre alt, ist in der 6. Schulstufe und besucht das selbe Gymnasium auf dem ich früher war.
Der Junge, R., ist 9 und im 3. Jahr an der Volkschule.

Und sie haben eine unglaublich niedliche Katze :D 

Sie sind wirklich fantastische Kinder, bereits sehr selbstständig und zeigen wirklich große Eigenverantwortung (gehen sich selbstständig die Zähne putzen und ins Bett, "helfen" beim Kochen wenn wir uns nicht in der Küche zurechtfinden etc.). Dies wurde mir besonders klar als wir mal ein ganzes Wochenende auf die beiden aufgepasst haben, also zweimal bei ihnen übernachtet haben, und uns eigentlich um gar nichts so wirklich kümmern mussten - schon gar nicht um die Kinder.

Obwohl sie so selbstständig sind, ist es den Eltern natürlich lieber wenn jemand da ist wenn sie Abends mal ausgehen. Der wirklich Auschlaggebende Punkt dabei ist aber eher, dass die Kinder nicht alleine sein wollen. Auch verständlich.
Erstaunlich finde ich dabei eher, dass es eher L. ist, die nicht alleine sein will, als ihr jüngerer Bruder.
Das geht so weit, dass sie auch nicht Nachmittags nach der Schule alleine zu Hause sein will. Ihr Bruder R. hingegen hat kein Problem damit, Nachmittags alleine zu Hause zu sein. Die Mutter der beiden ist Lehrerin, so ist er meistens nicht lange alleine bis sie nach Hause kommt.
Wenn allerdings ihr jüngerer Bruder zu Hause ist, hat auch L. kein Problem damit, Nachmittags "alleine", also ohne Eltern zu bleiben.

Hier wurde ich zum ersten mal wirklich stutzig und stellte fest, dass ich in dem Alter ganz anders war.
Was war ich froh wenn ich mal alleine zu Hause bleiben durfte. Wenn meine Eltern Abends mit Freunden essen gingen oder irgendwo eingeladen war, wurde ich natürlich meistens mitgeschleppt und langweilte mich dort als einziges Kind zu Tode. Deswegen habe ich schon mit 7, 8 Jahren versucht meine Mutter davon zu überzeugen dass doch gar nichts passieren kann wenn sie mich für ein paar Stunden alleine zu Hause lässt.
Im ersten Jahr am Gymnasium musste ich noch in die Nachmittagsbetreuung gehen, da meine Mutter erst gegen 16:00 von der Arbeit kam und nicht wollte dass ich so lange alleine zu Hause war. Mit der ganzen Kraft meiner Argumentationstechnik habe ich sie dann mit 10 davon überzeugt, dass ich ich in meinem zweiten Jahr am Gymnasium nicht mehr in die nachmittagsbetreuung gehen möchte. So verbrachte ich nur noch jene Nachmittage in der Schule, wo ich Nachmittagsunterricht oder Kurse hatte, an den anderen Tagen war ich Nachmittags 1-3 Stunden alleine zu Hause.

Zwei niedliche Katzen, auch wenn die "graue Eminenz" mir manchmal etwas Angst einjagt (wegen seines Psycho-Blickes, wenn er mal nicht gerade schläft XD) 

L. ist übrigens Ende Dezember geboren und wurde mit 6 eingeschult. Ich bin Ende September geboren, wurde jedoch mit 5 eingeschult. Ich war also in ihrem Alter eigentlich schon in der dritten Klasse (nach deutschem System: 7. Klasse).

In der dritten Klasse... ja, da waren wir eigentlich alle schon Mitten drin im Drama der pubertären Probleme. Zwischen rumgezicke, ersten Schwärmereien und gelegentlichen Mobbing-Attacken schlug ich mich gänzlich anders durch den Alltag als L.
Ich litt schwer dass ich körperlich im Vergleich zu den anderen "unterentwickelt" war, während ich geistig meinem Alter vorraus war. Ich hasste es, von Erwachsenen nicht ernstgenommen zu werden, bloß weil ich noch "ein Kind" war. Ich begann verstärkt mich auf Foren und in Chatrooms rumzutreiben, wo ich in der gesichtslosen Anonymität des Internets meist auf 16-18 geschätzt wurde.

Mit 12 verbrachte ich also bereits einen großen Teil meiner Freizeit damit Internetfreundschaften zu pflegen. War froh wenn ich alleine zu Hause sein konnte, da mich dann niemand nervte dass ich ständig am PC sitze anstatt mich mit meinen "realen" Freunden zu treffen.
Das ich mich mit meiner Altersgruppe allerdings nicht so recht identifizieren konnte, war bei Diskussionen natürlich kein gültiges Argument, und führte in recht kurzer Zeit zu so viel Streit mit meiner Mutter, wie ich ihn in all den späteren Jahren zusammen nicht mehr hatte.
Ich interessierte mich für RPGs, zeichnete ein Menge in der Zeit wo ich mich nicht gerade online rumtrieb, spielte PC- und Konsolen-Spiele und las sehr viel.

Die Hobbies von L. ähneln denen von mir - sie interessiert sich auch für PC-Spiele (Pokémon, Die Sims...) spielt sich gerne mit Programmen und probiert herum (bei mir war es damals Photoshop - bei ihr ist es InDesign), zeichnet.
In Gesprächen mit ihr erkennt man dass sie ein sehr intelligentes, liebenswürdiges Mädchen ist. Schlagfertig und witzig vertritt sie ihre eigen Meinung in Diskussionen.
Dennoch sind wir in einigen Dingen einfach grundverschieden, was zB das alleine sein betrifft. L. ist auch sonst recht "abhängig" von ihrem Bruder, verbringt viel Zeit mit ihm, sie schlafen Nachts auch im selben Bett wenn sie alleine sind und evtl Angst haben.
Ich habe keine Geschwister, ich weiß nicht ob das für viele in diesem Alter so war, dass sie sich wenn sie Angst hatten an ihre Geschwister wandten, vor Allem wenn die Eltern nicht da sind. Hängt vermutlich auch davon ab wie gut man sich mit seinen Geschwistern versteht, ob man überhaupt getrennte Zimmer hat etc.

Getrennte Zimmer - wenn ich mir mit 12 Jahren mit Zimmer mit einer anderen Person hätte teilen müssen, wäre ich wahrscheinlich Amok gelaufen. XD
Unvorstellbar daher, dass eine Schulkollegin von mir bis zum Abschluss ein Zimmer mit ihrem Bruder teilte, nur durch ein Regal als Raumteiler getrennt o_O

Jup ich poste hier random Katzenbilder um dem Eintrag mehr Spannung zu verleihen XD

Wenn ich zurückblicke auf meine "Kindheit" und "frühe Jugend", in der ich mich immer lieber für mich selbst alleine beschäftigt habe als mit anderen, bietet das vielleicht eine Erklärung für meine jetzigen Sozialisierungsschwierigkeiten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mir auch heute noch so schwer tue, Leute kennenzulernen und Freunde zu finden.
Aber die Frage ist doch, was ist hier Ursache, was Wirkung?
War ich damals durch meinen pubertäten Wahnsinn in dem Irrglauben, es ginge mir alleine besser und ich schottete mich deswegen ab - oder war es nicht vielmehr so, dass ich mich alleine und unverstanden gefühlt habe, weil niemand meine Hobbies Verstand und meine Gedanken nachvollziehen konnte? Infolgedessen suchte mir also meine Freunde aus einer viel größeren Menge an Leuten, als es mir meine Klasse oder Schulstufe hätte bieten können - der großen weiten Welt des Internets?


Ich denke 12 ist ein Alter, in dem Menschen wirklich sehr unterschiedlich sein können. Die Pubertät mag ein kontinuierlicher Prozess sein, aber ich denke der "Beginn" dieser Phase ist eher wie eine Schwelle, die manche früher und manche später übertreten. Diese Schwelle ist der Moment, wo man sein Kinderspielzeug für lange Zeit in den Schrank sperrt, weil man feststellt dass man ohnehin nicht mehr damit spielt und es vor den Freunden plötzlich peinlich ist dass man mit Stofftieren im Bett schläft. Der Moment wo man anfängt die Bärchentapete im Kinderzimmer zu hassen, weil sie einfach schrecklich aussieht.
Oder der Moment, wo man Nachts aufwacht und Angst hat, und nicht zu den Eltern ins Bett huscht sondern selbst das Licht aufdreht und sich beruhigt...

Zugleich sehe ich nun, wie unterschiedlich "geistige Reife" ausgelegt werden kann.
So war ich mit 12 schon ziemlich Reif was meine Ansichten betraf (bloß hat sich niemand dafür interessiert was ich denke weil ich ja "nur ein Kind war"), konnte problemlos stundenlang alleine bleiben und erledigte meine Pflichten wie Hausaufgaben und Haushaltsaufgaben. L. hingegen bleibt nicht gerne alleine, ohne ihren Bruder, kann sich dafür jedoch zT besser selbst "versorgen" als ich damals (einfache Greichte Kochen oder Essen bestellen, im Vergleich dazu hab ich mich alleine eher immer minimalistisch versorgt ), wird von Erwachsenen viel positiver in die Runde aufgenommen (ich schätze das liegt an ihrer Frohnatur und ihrem Talent Menschen für sich zu gewinnen - etwas dass ich niemals konnte) und ist in vielerlei Hinsicht verantwortungsvoller als ich es damals war. Dies sieht man vor Allem in der Art, wie sie sich um ihren Bruder kümmert.

Mit meiner ehemals besten Freundin hatte ich eine längere Diskussion zu dem Thema, als wir uns vor kurzem trafen. (Ich schrieb davon hier)
Ich führte L. und ihren Bruder R. und vor Allem den Umgang der beiden miteinander als Musterbeispiel an geistiger Reife und guter Erziehung an. Ich erzählte von einer Situation, wo wir gemeinsam fernsahen, einen Film den L. kannte, und von dem sie wusste dass eine brutale Szene darin vorkommt. Mehr im Spaß meinte sie zu ihrem Bruder, dass er diesmal die Szene, die sonst zu brutal für sein Alter war, anschauen dürfte da er nun schon älter war als beim letzten Mal als sie den Film gesehen hatten.
Ich fand es süß wie sie daran dachte, auf ihren Bruder in dieser Hinsicht "Rücksicht" zu nehmen. Außerdem war es ja eher ein Spaß. Meine ex-beste Freundin meinte jedoch gleich, dass dies ein schlechtes Zeichen sei, weil das absolut nicht L.'s Verantwortung war, und sie solche Aufgaben in ihrem Alter nicht übernehmen sollte.
Ich hingegen fand diese Ansicht furchtbar übertrieben. Es war ja nicht so, dass L. sich rund um die Uhr um ihren Bruder kümmerte und ihn mütterlich umsorgte. Die Mutter der beiden ist schließlich sehr fürsorglich, an Aufmerksamkeit und Liebe mangelt es den beiden sicherlich nicht.
Ich denke, es war einfach L.'s Art zu zeigen, dass sie sich um ihren Bruder sorgte und einfach aufmerksam war. Ich finde daran nichts schlechtes. Aber vielleicht geht das nur mir so, ich bin ja keine Psychologin.
Außerdem meinte meine Freundin noch, dass es sehr ungewöhnlich sei dass ich damals in dem alter schon unbedingt alleine und "selbstständig" sein wollte. Dass das sicher einen tiefenpsychologischen Grund hätte.

Dass ich total verkorkst bin und es schon immer war, hätte sie durch die Blume nicht schöner sagen können, aber wenigstens war es für mich keine neue Erkenntnis :)

Jedenfalls geht mir seit wir im Februrar mal für zwei Tage "Babysitten" waren und nicht zuletzt seit dieser Diskussion mit meiner Freundin die Thematik nicht mehr aus dem Kopf.



Menschen sind so unterschiedlich. Selbst unter Geschwistern sieht man diese Unterschiede, wie bei L. und R. was das alleine sein betrifft. Ich denke es macht auch einen großen Unterschied aus, ob man Einzelkind ist oder Geschwister hat, ob man in einer Großfamilie lebt, oder bei einem alleinerziehenden Elternteil.
Mir war bloß bis dato nicht bewusst wie groß die Unterschiede sein können, was wohl auch bedeutet dass manche Faktoren einen großen Einfluss haben können. Ich glaube hier wird der Charakter (zumindest der Teil, der sich in der Pubertät entwickelt) sehr stark vom Umfeld beeinflusst. Es wird ja immer diskutiert, wieviel vom Charakter genetisch und wieviel vom Umfeld bestimmt werden.
Vermutlich spielt beides eine Rolle - als Fazit würde ich allerdings sagen dass die "Gene", oder sagen wir mal, die Veranlagung, in der frühkindlichen Entwicklung eine größere Rolle spielen, während das Umfeld umso wichtiger und bestimmender wird, je älter man wird.

Nun wo ich das hier so schreibe klingt es eigentlich eh total logisch :'D
Zumindest für mich.

Wie seht ihr die Sache denn? Was haltet ihr von der Thematik?
Ich weiß, was war ein bisschen viel Information auf einmal, vor Allem habe ich eigentlich mehrere Themen angeschnitten. Ich hoffe dennoch dass es ein paar tapfere Leser bis hierher durchgezogen haben und mir einen Kommentar mit ihrer Meinung dalassen :D

8 comments:

  1. ist so 'ne Art Mürbeteig, aber mit Frischkäse. sehr lecker auf jeden Fall!

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  2. Taahaaa :3
    So, ich setze jetzt mein Wissen als angehende Psycho- und Pädagogin (Abitur mit Hauptfach PP - Pädagogik & psychologie, 11. Jahr)
    Du hast schon Recht, Kinder entwickeln sich mit Geschwister ganz anders (:
    Sie werden von der Umwelt beeinflusst, aber auch mit ihren Anlagen und der Selbststeuerung.
    Diese drei Dinge beeinflussen einen Menschen von dem Moment als der Samen in die Eizelle trifft bis in den Tod.
    Das Resultat sind jeweils unterschiedliche Individuuen. O:
    Ums mal nochmal zu verdeutlichen, wie Recht du hast! xD

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  3. Ich find den Artikeln wahnsinnig spannend!
    Ich habe eine 5 Jahre ältere Schwester, mit der ich aufgewachsen bin. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass wir, als sie in der Pubertät war, viel Freizeit mtieinander verbracht haben und ihr ging sowieso irgendwie alles auf die Nerven, noch bis sie auszog. Ich fand das immer total schlimm in ihrem Schatten zu stehen [nicht was Leistungen anging, aber ich wurde nie ernst genommen, was meinen Style betrifft, weil alle glaubten, ich eifere ihr nur nach...], aber wenn es darauf ankam, dann war sie für mich da. Auch so Kleinigkeiten wie "L." mit dem Film. Oder während der Scheidung unserer Eltern. Wir sind uns ziemlich ähnlich, aber doch total unterschiedlich, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll, vielleicht gleichen wir uns auch einfach nur aus. Ich bin die Frohnatur und versuche immer alles positiv zu sehen, sie ist ultra pessimistisch und leicht reizbar.

    Dann sind da noch meine 2 (Halb)Brüder, die bei meinem Vater leben und die ich leider nicht ganz so aufwachsen sehen kann. Ich könnte über die falsche Erziehung meines Vaters und seiner Mutter einen mega langen Roman schreiben... Jedenfalls äußert die falsche Erziehung sich in der Hinsicht, was Selbstständigkeit betrifft. Er kommt im Sommer in die 5. (somit in eine etwas entferntere neue Schule) und sie planen tatsächlich, ihn täglich, bis zum Realschulabschluss, oder Abitur, hin zu fahren und wieder ab zu holen (denn man hört ja so einige Sachen von Schulbussen...) Das mal als Beispiel. Ich streite mich deshalb oft mit meinem Vater und bin traurig darüber, dass ich nicht irgendwie in die Erziehung eingreifen kann. Bei dem Jüngeren ist das irgendwie nicht so schlimm, er kommt mir auch viel älter vor, als er ist (beinah 7), was wohl daran liegt, dass er nicht das Erstgeborene der Frau meines Vater ist.
    Wie gesagt, ich könnte einen eeeellenlangen Roman schreiben und dann würde sich noch mehr bestätigen, dass ich die gleichen Ansichten hab, wie du (oder andersrum), aber das is dann vllt doch etwas zu privat^^

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  4. Okay. LOL. Waehrend ich das las, vor allem gen Ende, fiel mir auf, dass du exakt das behandelst, was wir gerade in Biologie machen. Ethologie. Dass Verhalten sowohl genetisch als auch durch Umwelteinfluesse geformt wird. Und so weiter und so fort.

    Ich muss sagen: MAN, wir sind uns SO aehnlich. Ich war genauso wie du. Ich zog mich in die Welt der RPGs zurueck und des Internets. Eine Welt, in der mich jeder viel aelter geschaetzt hatte (einmal gab ich mich sogar als 20 aus obwohl ich erst 13 war :X) und in der man mich akzeptierte. Es war und ist einfach eine Welt, bei der man fuer den Charakter geschaetzt wird. Dass es schwarze Schafe gibt und sowas ausgenutzt wird, gibts immer, ja.
    Aber gerade fuer mich, die 10 Jahre lang ihres Lebens immer nur als haesslich und dumm beschimpft wurde, war das Internet eine wundervolle Flucht aus dieser grausamen Realitaet. Im Internet nannte mich keiner haesslich und auch keiner dumm.

    In meinem Falle machte mich das Internet jedoch auf ironische Art und Weise selbstbewusster und selbstsicherer. Ich bin offener geworden und habe gelernt, all den Menschen, die mir mein Schulleben zur Hoelle machten, zu vergeben. Ich gehe gerne weg und lerne supergerne neue Leute kennen. Aber: Ich bin, was Freunde anbelangt, sehr sehr waehlerisch. Ich habe eigentlich nur noch 2, 3 enge Freunde (in meiner realen Umgebung) und es ist nach wie vor fuer andere sehr schwer zu verstehen, was mich am Internet fasziniert. Nach wie vor, scheinen es einige nicht so ganz ernst nehmen zu wollen.
    Das finde ich etwas schade, denn ich bin gerade durch das Internet enorm gereift, waehrend ich sehe, dass meine Freunde teilweise immernoch grosse Probleme mit dem Erwachsenwerden haben.

    Wie du habe ich mit 12 angefangen, selbststaendig zu werden. Ich habe keine Probleme damit, alleine zu sein, wodurch es mir auch ueberhaupt moeglich ist, von hier wegzuziehen und alleine 400km vom trauten Heim entfernt zu studieren. Mein Freundes- und Bekanntenkreis macht hingegen zu 80% eine Ausbildung, 100% bleiben daheim wohnen.
    Was ich damit sagen will ist, dass viele denken, das Internet wuerde die Leute zu "social awkwardness" verleiten, aber im Grunde merkt man gerade in meiner Umgebung, dass meine Freunde und Bekannte im Leben des Dorfes gefangen waren und gefangen sind und sich nicht trauen, da herauszubrechen.

    Ich schweife ab.... ich beende das hier mal abrupt. Aber das sind so meine Gedanken dazu. Tut mir leid, wenn ich mich wiederholt habe. XD

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  5. Danke fürs Lesen und die Kommentare erstmal :3 Bin immer wieder ganz beglückt wenn ihr meine Walls of Text lest X3

    @яᵒˢᵃ: Mir ist erst gegen Ende meines Textes so richtig klargeworden dass es genau auf das hinausläuft XD Also auf das Zusammenspiel von Anlage & Umwelt. :D Da die beiden die einzigen Kinder sind die ich beim "heranwachsen" miterlebe... fällt mir das erst jetzt so wirklich auf ^^

    @Kindchen: Wow, danke dass du mir davon erzählst, is ja doch wie du sagst eigentlich sehr privat ^^ Nya, das Gefühl, dass man gerne bei der Erziehung eingreifen würde kenne ich... ich denke mir da auch manchmal, ich hätte gerne eine kleine Schwester gehabt, der ich dann mit Rat und Tat beisete hätte stehen können wenn sie in die Pubertät kommt damit es ihr nicht so ergeht wie mir (zum Außenseiter werden, gemobbt werden etc). Doch so wie du sagst... auch als Schwester hat man da nicht immer die Möglichkeit zu helfen, selbst wann man will (wobei in deinem Fall ja auch die räumliche Trennung zu deinen Halbbrüdern eine Rolle spielt). Weiß gar nicht was ich noch dazu sagen soll - danke für deinen Kommentar!!

    @Destiny: Mir hat das Internet auch auf gewisse Weise geholfen, selbstbewusster zu werden... aber das mit dem neue Leute kennenlernen fällt mir total schwer. Ich glaub ich hab so eine Ausstrahlung an mir - mit mir will einfach niemand so wirklich eng befreundet sein (jetzt mal ein paar wenige gute Freunde, die ich dank meinem Freund kenne ausgenommen, ich beziehe mich eher auf neue Bekanntschaften). Das ist mir an der FH extrem aufgefallen. ich hab mich sehr bemüht mich mit den anderen anzufreunden - natürlich nicht über die Maßen, aber mit der Zeit merkte ich, dass ich mich statt ihnen anzunähern nur weiter und weiter entfernte.
    Was du über das "Ausbrechen" und zur Selbstständigkeit sagst, finde ich sehr spannend. Ich glaube auch dass das Internet da einen teil dazu beitragen kann... wobei es bei mir wahrscheinlich eher die tatsache war dass ich ein Einzelkind war und sowieso meist für mich war. Also ich denke meine persönliche "social awkwardness" rührt eher von einer Ausstrahlung her, die ich auch gar nicht beinflussen kann egal wie sehr ich das will, als von meiner Internet-Vergangenheit (uh das klingt so anrüchig XD)

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  6. Auf der Unterschiedlichkeit von Menschen, nicht nur von Kindern, beruht ja schon unser ganzes Selbstverständnis. Wir fühlen uns anderen unter- oder überlegen wegen bestimmter Merkmale, die wir teilen oder eben nicht (obwohl wir uns da selber meist schon einen kleinen Bonus geben ^^).

    Und als angehender Lehrer ist diese Annahme auch mein pädagogisches Glaubensbekenntnis (wie es ein Dozent vor Jahren einmal so schön formulierte). Ich war selbst immer ein gutes Stück "anders" als meine Mitmenschen, darum widerstrebt es mir, alle Menschen mit denselben Methoden zu ihrem Glück zu zwingen, uns nichts anderes ist Schule letztlich.

    An meiner kleinen Nichte (19 Monate alt) sehe ich, wie ähnlich und wie anders sie ist als ich im selben Alter. Oder als mein Bruder (weiß ich aus den rückblickenden Geschichten, denn er ist über ein Jahrzehnt älter als ich XD). Oder als meine jüngeren Cousins und Cousinen.

    Trotzdem immer Vorsicht vor Küchenpsychologie. Heute neigen wir leider dazu, immer gleich alles mit schlechten Erfahrungen, mit der Vergangenheit oder mit Störungen in Verbindung zu setzen, obwohl (wie яᵒˢᵃ) ja schon schreibt, mehrere Faktoren unsere Persönlichkeit bestimmen. Vielleicht wird den Leuten zu oft eingeredet, sei seien ein Fall für den Psychiater, wenn sie bloß nicht so reibungslos in ihrer Rolle "funktionieren".

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  7. @Kelhim: Falls du mit "Küchenpsychologie" auf die Analyse meiner Freundin anspielst - da gebe ich dir wirklich vollkommen Recht XD Aber... das ist ein Extremfall, sie sucht da wirklich schon mit absicht nach irgendwelchen Gründen... aber das ist ne ganz andere Geschichte ^^"
    Ich finde es ja nunbesonders faszinierend wie Unterschiedlich das "Tempo" dieser Entwicklung in unterschiedlichen Bereichen voranschreitet, gerade in der Pubertät sieht man das ja meist extrem :)

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  8. Ich finde das Thema super interessant. Hat echt Spaß gemacht zu lesen. Und ich war auch ein wenig so wie du (und bin es vllt immer noch)...

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