Tuesday, May 3, 2011

Der Terror ist tot - es lebe der Terror?

Eigentlich bin ich viel zu müde um zu schreiben, aber irgendwie beschäftigt es mich doch ziemlich, vor Allem seit einem Gespräch mit meinem Freund. Daher belästige euch schon wieder mit einem eher ernsten Thema.

Worum es geht? Natürlich um den Tod des Staatsfeinds N°1 der U.S.A.

Bin Laden ist tot. Und sofort geht die Nachricht um die Welt, die einen feiern, die anderen drohen mit blutiger Rache, und wieder anderen ist es einfach egal.

Ich persönlich habe mich ehrlich gesagt im ersten Moment gewundert, als ich von seinem Tod im Radio hörte.
Die USA haben so lange den Irak-Krieg gegen Hussein geführt, dass ich mir eigentlich schon gedacht hatte, sie hätten den Verantwortlichen für den 1. September ganz vergessen, vor lauter Öl Massenvernichtungswaffen...

Was soll man denn nun davon halten, dass dieser Mann tot ist?
Nun, wie es jemand auf twitter schon so treffend ausgedrückt hat:

"Man hat das Gesicht des Terrorismus getötet. Nicht die Hände, nicht den Kopf. Nicht die Idee. Und Ideen sind kugelsicher. Das ist kein Sieg."

Dass dem so ist, wird vor Allem angesichts der von Al-Quaida angekündigten Vergeltungsschläge klar.
Auf wikipedia wird Osama bin Laden als die "ideologische Führungsperson" der Al-Quaida bezeichnet. Wieviel er mit der Planung und Umsetzung terroristischer Aktivitäten zu tun hatte.... das weiß ich nicht. Dass es jetzt deswegen definitiv nicht weniger Terroranschläge geben wird - da bin ich mir sicher.

Ob es also wirklich Grund zum Jubeln gibt ist fraglich.

Was mich aber nun eigentlich stört, ist das allerorts lautwerdende Lamento, dass die Amerikaner die Menschenrechte verletzt hätten. Dass es nicht legitim gewesen sei, ihn "hinzurichten". Sie hätten kein Recht gehabt ihn zu töten.

Innerpolitisch gesehen kann man Obama ja nur beglückwünschen. Außenpolitisch betrachtet ist das ganze vielleicht keine so gute Idee gewesen, eine Gefangennahme + Prozess + Verurteilung hätte das außenpolitische Ansehen der USA wahrscheinlich eher verbessert als die Tötung des Staatsfeindes. Die Ironie der Geschichte ist aber doch, dass bin Laden im Rahmen so eines Prozesses doch höchstwahrscheinlich zum Tode verurteilt würde.
Menschenrechte hin oder her, es gibt sie sehr wohl, jene Situationen in denen das Töten auf einmal ganz legitim wird. Im Krieg. Im Fall von Notwehr. Und in einigen Ländern im Rahmen der Todesstrafe. Sollte man da nicht stutzig werden? Nirgendwo steht in den Menschenrechten, dass das "töten" verboten ist. Es heißt nur, man solle jedes menschliche Leben achten. Wie aber im Falle eines Widerspruches reagieren - wenn der verhängten Todesstrafe das Verbrechen der Tötung vorausging? Wie reagieren, wenn man sein eigenes Leben nur retten kann, indem man einen Angreifer tödlich verletzt?

Versteht mich nicht falsch, natürlich erkenne ich die Menschenrechte voll und ganz an.

Die Frage die sich hier jedoch stellt, ist doch:

Sind die Menschenrechte auf für jene gütlig, die sie selbst nicht achten?
Darf man jemanden töten, der selbst tötet?
Und wer soll der arme Hund sein, der die "Sünde" auf sich nimmt und un den Mörder töten?

Dazu eine kleine Anekdote die unser Religionslehrer damals in der Schule erzählte, als wir über die Todesstrafe sprachen (Korrektheit der Aussage will ich hier so nicht mehr beschwören, ich finde keine Informationen darüber, aber so wurde es mir damals erzählt).


Die Maschinen die zur Vollstreckung der Elektrokution in den USA eingesetzt werden, besitzen zumeist zwei Schalter, die von zwei Wärtern betätigt werden. Eines der Signale wird zufällig ausgewählt, und man erfährt nicht, welcher der beiden nun wirklich das Urteil vollstreckt hat.
Beim Tod durch die Giftspritze setzen mehrere Ärzte Spritzen an - nur eine davon enthält Gift. Welche es ist, weiß man nicht.
In China sind es zwei Vollstrecker, die bei der Hinrichtungen durch Erschießung den Abzug drücken. Welche Kugel tödlich ist. In einigen Ländern sind es gleich mehrere Schützen, wobei nur eines der Gewehre scharfe Munition enthält, die in der Lage ist zu töten.
Die Steinigung, wie sie in manchen Ländern betrieben wird, ist wohl das beste Beispiel, wie sich jeder an der Vollstreckung Beteiligte sein reines Gewissen erhalten kann. Denn selten ist es der erste Stein, der tötet. Es werden sogar bewusst kleine Steine gewählt, damit der Verurteilte verblutet und nicht erschlagen wird.


Ist es nicht irgendwie ironisch, dass wir auf der einen Seite die Tötung eines Menschen als Verbrechen behandeln und verurteilen, uns dann jedoch anmaßen, an einer anderen Stelle ein Leben zu nehmen?
Wir suchen uns diese Grenzen selber aus und tun so, als wäre es ganz normal. Wir führen Kriege, und wir töten um zu bestrafen. Punkt. (Notwehr lasse ich hier mal außen vor da es hier um eine akute Situation geht, in der ein Leben gegen ein anderes steht. Nicht wie bei der Todesstrafe, wo die Opfer des vorangegannene Verbrechens ja davon auch nichts hätten, bzw beim Krieg wo es sowieso zumeist eher nicht um die Menschenleben geht die man damit schützen könnte.) Darüberhinaus aber ist das Töten auf einmal böse und verboten.

Ist es nicht auch irgendwie auch zynisch, dass auf der einen Seite manch einer - sei es Zivilist, Reporter, Politiker - den Tod von bin Laden zelebriert, und im Gegenzug andere mahnend den Finger erheben und meinen es sei "nicht Rechtens" gewesen, während auf der Welt Kriege geführt werden, bei denen Hunderttausende Menschen sterben? Zivilisten, die überhaupt nichts verbrochen haben, die keinen Terrororganisationen angehören sondern nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder das Pech hatten, im falschen Land geboren worden zu sein.

Solange es noch Menschen gibt, die durch die Hand eines anderen Menschen sterben, müsste doch eigentlich jeder einzelne von diesen Angeklagt werden. Nicht nur die Navy SEALs die bin Laden erschossen haben oder Obama der vielleicht den Befehl dazu gab. Nicht nur bin Laden selbst, der Menschenleben auf dem gewissen hat.. Jeder einzelne, der seine Finger bei einem Krieg im Spiel und dadurch Menschenleben auf dem Gewissen hat.

Woher nehmen wir uns das Recht heraus, zwischen legitimem Töten und nicht legitimem Töten unterscheiden zu können? Warum sehen wir weg wenn in einem Krieg Menschen sterben, weil zwei Regierungen sich nicht einig werden, und zeigen gleichzeitig mit dem Finger auf jene Männer, die am Wochenende auch nur das getan haben, was jeder Soldat im Krieg tut - einen Befehl ausführen?


Menschenrechte und das Töten sind meiner Meinung nach nicht vereinbar.
Weder im Falle eines Krieges, noch als Todesstrafe.
Dass die Menscheit unfähig ist, die Menschenrechte zu verinnerlichen und zu verstehen, führt diese ad absurdum, da man doch annehmen sollte, dass das Gute, und demnach der Wunsch diesen Regeln zu folgen, in jedem Menschen vorhanden ist. Dass es der tiefste Wunsch eines jeden ist, in Frieden in Harmonie zu leben, und somit die Menschenrechte aller zu akzeptieren und diese Regeln zu achten.
Dennoch geschehen Verbrechen überall und auf die Menschenrechte wird gespuckt.
Vielleicht sollten wir sie "Utopie-Rechte" nennen, oder besser "Leitfaden für die ganz Optimistischen". Denn dass die Menscheit als Ganzes schlichtweg nicht in der Lage ist, sich daran zu halten, beweisen wir uns doch immer wieder.

Da frage ich mich also, was geht in den Köpfen jener Moralapostel vor, die nun Obama und die Navy SEALs oder gleich Amerika als Ganzes zu verurteilen.
Natürlich sollte man moralische Missstände und Verletzungen der Menschenrechte aufzeigen und darauf aufmerksam machen, die Leute zum Nachdenken anregen. Aber die ganze Diskussion um bin Laden bleibt sinnlos, solange nicht ebenso massive Verletzungen der Menschenrechte überall auf der Welt ebenso kritisch betrachtet werden.

Abschließend kann ich zu diesem Thema nur noch sagen: 


Der Terror ist nach dem, was am Wochenende geschah, definitiv nicht tot. Aber mit jedem Mensch der absichtlich getötet wird, sterben die Menschenrechte langsam mit.

8 comments:

  1. Kann dir nur zustimmen. Wobei das Thema allgemein ein Streitpunkt bzw. Ansichtssache ist.

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  2. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
    Denn du hast es genau auf den Punkt getroffen!

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  3. ich versteh auch nicht wie ein mister obama sich das noch live anguggt...

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  4. Ich kann da [wie imjmer, bei solchen Themen, nicht umsonst studier ich Philosophie...]einen ellenlangen Roman schreiben, aber nur ma um meine Meinung zu legitimen Töten usw. loszuwerden:

    Ich bin für die Todesstrafe.
    Ich find's legitim, dass se Bin laden getötet haben. Ohne langes Strafverfahren und und und.

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  5. Als ob es je eine Welt ohne Töten geben würde ... dafür sind wir "Menschen" einfach nicht geschaffen. Punkt.

    Mal abgesehen davon, dass ich Osama bin Laden NICHT für den Drahtzieher oder das Gesicht oder für irgendeinen Teil halte, der etwas mit einem Terroranschlag zu tun hat - ganz ehrlich, was maßen wir uns an, die Geschehnisse im nahen und fernen Osten überhaupt zu beurteilen? Würden die Lybier einen Aufstand machen, wenn sie wüssten, dass Ägyptens Regierung gestürzt wurde? Wahrscheinlich nicht. Würden "Zwangshochzeiten" als niederträchtig und menschen- bzw. frauenfeindlich angesehen, wenn es den Orientalen niemand gesagt hätte?
    UND UND UND.

    Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich denke einfach, dass uns so etwas Grundlegendes wie "Werte" oder "Moral" einfach grundlegend fehlt und wir alle daher auch kein Recht haben, das Verhalten anderer zu be- und verurteilen. Ist Osama ein Mörder? Vielleicht. Ist Obama ein Mörder? Vielleicht.

    Ist die Fekter Mizzi eine Trutschen, weil sie Familien abschiebt (pardon, abschob)? Wahrscheinlich. Aber wäre sie das auch, wenn es so etwas wie die Globalisierung nicht gegeben hätte?

    Soll bitte nur ein Denkanstoß und kein Flame sein, finde nämlich die Themen, über die du schreibst, sehr interessant und abwechslungsreich!

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  6. Ich kann zu dem ganzen Thema nur sagen, dass ich gegen Todesstrafe bin. Ist mir egal, ob es in den USA ein Gesetz gibt, welches die Todesstrafe erlaubt. Und auch wenn fuer mich mitunter das Schlimmste Kinderschaender und Co sind, bin ich immernoch gegen Todesstrafe. Wieso? Den Menschen das Leben zu nehmen, waere zum Einen in so einem Fall nicht grausam genug. Zum Anderen finde ich, dass man kein Stueck besser ist, wenn man als "Antwort" die gleiche Tat begeht. Und ich bin gegen die Kriege, die derzeit gefuehrt werden, weil sie meiner Meinung nach zu 99 % nur aus reiner Gier gefuehrt werden.

    Am Geilsten (Ironie) finde ich ja, wie der Tod Bin Ladens gefeiert wird. Das ist einfach nur krank und abartig meiner Meinung nach. Disco Flyer mit seinem Gesicht drauf, um seinen Tod zu feiern. Aber hauptsache die Amis verurteilen uns Deutsche immer wegen ~1945. Am Arsch!

    (Eiskalte Verallgemeinerung, kein persoenlicher Angriff gegen irgendjemanden.)

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  7. Mit einigen Äußerungen in den Kommentaren wie der Unterstellung, man verurteile uns in den USA (oder anderswo) immer noch wegen des Schandflecks in unserer Geschichte, bin ich nicht einverstanden - wir sind das beliebteste Land der Welt oder zumindest regelmäßig sehr weit oben, auch in den USA. ;) Deutschland engagiert sich auf viele verschiedene Weisen in der Welt (Österreich auch), und das wird selbtverständlich auch anerkannt - unsere defensive Haltung mit einem Schuss Misstrauen gegenüber den Weltmächten haben wir gar nicht nötig.

    Zu Osama bin Ladens Tod und der Frage, ob er mit den Menschenrechten in Einklang steht: Egal ob das eine Kill Mission war oder nicht - freiwillig hätte sich bin Laden sowieso keine Handschellen anlegen lassen und wäre auch nicht mit den Soldaten gegangen. Streng genommen hätten die Soldaten ihn nicht einmal mitnehmen dürfen, weil sie auf pakistanischem Hoheitsgebiet gar keine Berechtigung dazu hatten. Was hätten die USA tun sollen? Pakistans Regierung vorher fragen, ob die vielen pakistanischen Militärs, die zufällig im selben Dorf wohnen, den Terroristen vielleicht gefangennehmen und ausliefern? Wenn Pakistan das wollte, wäre das längst geschehen - damit sich niemand etwas vormacht.

    Was sich viele Idealisten wünschen (ordentliche Gefangennahme, ordentlicher Prozess und dann eine Gefängnisstrafe), war überhaupt nicht zuerreichen. Die Alternative, ihn dort einfach im Versteck weiterleben zu lassen, nur weil man keinen "ordentlichen" Zugriff auf ihn bekommen konnte, kann man auch übersetzen mit "Nichtstun".

    Mit der Diskussion um die Todesstrafe hat das meiner Meinung nach wenig zu tun. Ich bin ein Gegner der Todesstrafe und der Selbstjustiz. Bin Laden kann man allerdings genauso gut als Kriegspartei sehen - immerhin hat er sich selbst diese Rolle zugeschrieben. Wenn ihn ein Staat beschützt und sich dem "ordentlichen Recht" verweigert, kann man nicht erwarten, dass andere einfach tatenlos zuschauen.

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  8. Es freut mich hier so viele unterschiedliche Meinungen lesen zu können :) Danke für eure Kommentare!

    @diclofena: Ich stimme dir zT ehrlich zu. Ich denke dass die Globalisierung und die heutige Informationsgesellschaft ihren Teil dazu beigetragen hat dass die Menschen sich viel mehr über Dinge aufregen, die ihnen früher nicht mal aufgefallen respektive am A**** vorbeigangen wären. Das hat jetzt seine positiven und negativen Seiten...
    Es stellt aber natürlich - gerade zB das Mitzi-Bespiel das du gebracht hast - unsere Vorstellung von Moral sehr in Frage. Wie selbst- und fremdbestimmt ist unsere Vorstellung von Recht und Unrecht eigentlich....? Ein spannendes Thema, wenn ich so drüber nachdenke. Ich sehe das ganz sicher nicht als Flame an :) Freue mich über Inputs zu einer Diskussion!

    @Kelhim: es stimmt aber auch, dass viele Amis wenn sie "Germany" hören, als erstes an Hitler denken. Und dann angeblich an Bratwurst, Sauerkraut und Rammstein XDDD
    Ich glaube auch dass die "kill mission" anders gar nicht funktioniert hätte, und eine gefangenname wäre ja, wie du schon sagtest, genauso unrechtmäßig gewesen.

    Die Diskussion um die Todesstrafe hat mMn indirekt schon etwas damit zu tun, weil es eine in vielen ländern legitimierte Art der Tötung eines Menschen ist. Und darüber wird einfach hinweggesehen, während auf der anderen Seite so eine Aktion wie die kill mission heftig kritisiert wird. Das finde ich halt irgendwie hypokritisch, ich finde es merkwürdig dass da mit zweierlei Maß gemessen wird und man in einer Situation das Töten eines Menschen legitimiert (zB Soldaten die sich gegenseitig im Krieg erschießen); in einer anderen Situation ist es aber auf einmal nicht mehr okay (zB ein Staatsführer oder Anführer einer Organisation auf den ein Attentat verübt wird in der Hoffnung, dass ein Konflikt oder Krieg beendet wird.)
    Dabei denke ich zB auch an die Sache mit Gadaffi, und die UNO die sich dem "Vorwurf" stellen musste, gezielt seine potentiellen verstecke bombardiert zu haben... Ich meine... häh? Da sterben täglich zahlreiche Menschen in Gefechten, aber wenn man den einen, der das ganze eigentlich zu verantworten hat, angreift ist es auf einmal nicht mehr okay?
    Das geht mir leider nicht auf, ich bin politisch jetzt auch nicht so versiert um das alles mit Fakten belegen zu können, aber allein das moralische Hick-Hack und die Hypokritisie im Umgang mit dem Töten stört mich.

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