Monday, April 9, 2012

Lektionen die das Leben lehrt

Frühsommer 1996, auf der Intensivstation eines österreichischen Krankenhauses.

In einem der Zimmer steht ein Gitterbett, darin sitzt ein 5-jähriges Mädchen. Sie hatte einen Unfall, bei dem ihr Schädelbasisknochen gebrochen wurde. SHT. 3 Tage künstlicher Tiefschlaf. Doch dann wachte sie auf, und alles war wieder gut. Durch die künstliche Beatmung hatte sich zwar ihre Luftröhre zusammengezogen, und sie hatte auch jetzt noch Probleme beim Atmen, doch darüber hinaus ging es ihr gut.

Ihre Mutter war jeden Tag bei ihr. Sie hatte den Unfall mitangesehen. Hatte ihre Tochter selbst ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie von diesem Mann angefahren worden war.


Eine Schwester betrat den Raum.
"Da ist ein Anruf für Sie" teilte sie der Mutter des Mädchens mit. Diese sah sie fragen an.
"Wer denn...?"
"Es ist der Herr der... ihre Tochter angefahren hat. Er möchte sich entschuldigen."

Sie rang wohl mit sich, bevor sie den Anruf entgegen nahm, in diesem Zimmer auf der Intensivstation. Aber sie tat es dennoch. Wollte wohl hören, was er zu sagen hatte, dieser Mann, der ihre Tochter angefahren hatte.
Sie hörte seine Entschuldigung an. Sie hörte sie an, ober sie sie auch annahm war schwer zu sagen. Was sollte man in so einer Situation auch sagen? Sie sah vor sich ihre Tochter, die in diesem Gitterbett saß, von der sie noch vor ein paar Tagen nicht einmal gewusst hatte, ob sie je wieder aufwachen würde, und wenn, ob sie dann je wieder so sein würde wie früher, und hörte am Telefon die Stimme des Mannes... der das alles zu verschulden hatte.

Sie verabschiedete sich und legte auf.

"Wer war denn das?" fragte das Mädchen.
"Das war der Mann... der Radfahrer, der... wollte sich entschuldigen" erklärte die Mutter.
"Achso? Aber, wieso warst du denn so unfreundlich zu dem?" fragte die Tochter verwundert, vielleicht auch ein wenig vorwurfsvoll.
Der Mutter verschlug es die Sprache, und sie sah ihr kleines Mädchen perplex an.
"Naja, weil er... dich angefahren hat!" erklärte sie.
"Ja, aber wenn er es doch nicht mit Absicht gemacht hat? Er hat sich doch entschuldigt!" hakte das Mädchen nach.

Die Mutter sah ihre 5-jährige Tochter an.
"Ja.... ja, eigentlich hast du recht." gab sie zu.

Manche Dinge vergisst man nie. Und manchmal lernt man die wertvollsten Dinge von Menschen, von denen man es nicht erwartet.


Sinngemäß nacherzählt nach einem wahren Dialog.



5 comments:

  1. Du hast so Recht und die Geschichte ist wirklich toll :)

    Vani (:
    http://cold-blooded-woman.blogspot.com/

    ReplyDelete
  2. wow ich liebe solche "Geschichten" die nur das wahre Leben schreiben kann :) Da krieg ich gleich Gänsehaut...

    ReplyDelete
  3. Was mir dazu einfällt ist,dass die meisten Erwachsenen sind viel steifer habe ich manchmal das Gefühl...bzw Erwachsene verlieren mit der Zeit die Fähigkeit Sachen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
    Da sind Kinder oft eine Bereicherung oder auch gute "Sehhilfe"

    Liebe Grüße!

    ReplyDelete
  4. Sehr schöner Text. Ich bezeichne es jetzt mal absichtlich nicht als Geschichte, weil es eher eine Erzählung ist.

    Das weiß ich sehr an Kindern zu schätzen. Ich finde, Erwachsene sehen zu oft immer nur das Negative. Gut, verständlich, wenn mein Kind über den Haufen gefahren wird, dann ist man nicht Friede, Freude, Eierkuchen, aber auf der anderen Seite: Wie gesagt, derjenige hat es wohl kaum mit Absicht gemacht und solang er nicht unter Drogen stand oder andersweitig OFFENSICHTLICH die Schuld daran trägt, würde ich auch verzeihen.

    Was ich daran schade finde ist. Eigentlich sollte es nicht "Wir können viel von den Kindern lernen." heißen. Wir wussten das alles selbst mal. Wir waren selbst alle mal Kinder. Aber je älter man wird umso mehr verlernt man leider. :(

    ReplyDelete

Want to comment?
If you have no google+ account, you can use Open ID (for example with an URL of your twitter, homepage etc.)
Anonymous commenting is disabled, but feel free to contact me via ask.fm if you have no means of commenting here :)