Wednesday, August 22, 2012

Mein ganz persönlicher Wohn(alb)traum: Die Chaos-WG

Ich hatte ja schon vor längerer Zeit von unserer strapaziösen Wohnungssuche vor 3 Jahren erzählt, und bin dabei bis zu dem Punkt gekommen, wo wir im Oktober 2009 endlich unsere WG bezogen.
Heute möchte ich weiter erzählen, wie es mir in diesen 3 Jahren so ergangen ist und wie es jetzt für mich weiter geht. Und ich möchte etwas tun was ich bisher noch nieeeee getan habe - nämlich einige wenige Fotos von unserer Wohnung zeigen :'D 

Die ersten Wochen nach dem Einzug.... waren schrecklich.
Wir hatten kaum Möbel, mein Freund und ich hatten in unsere Zimmer nur ein Bett und den Schreibtisch an dem ich an eine Ecke gequetscht mit meinem Laptop saß, und er an der anderen Ecke. Wir hatten keinen Schrank und lebten mehrere Monate "aus der Tasche". Allerdings hatten wir auch längere Zeit noch keine Waschmaschine, so dass wir zum Wäsche waschen ohnehin immer zu unseren Eltern mussten.
Es war eng, und wir stritten so gut wie ständig. Ich war wirklich entsetzt wie sehr wir uns in die Haare bekamen, über die nichtigsten und lächerlichsten Dinge, und das deprimierte mich ziemlich. Schließlich wollte ich ja vorrangig deswegen von meinen Eltern weg, weil ich mich ständig mit meiner Mutter gestritten hatte....

Das Zusammenleben in der WG stellte sich aber ganz allgemein schwieriger heraus als Gedacht.
Das zeigte sich bei so banalen Dingen wie dem Möbelkauf. Wir kauften zunächst nur einen Wandverbau für das Wohnzimmer, Schränke fürs Badezimmer und irgendwann auch eine Waschmaschine. Zu Weihnachten bekamen mein Freund und ich ein Hochbett, dass mein Stiefvater für uns entwarf und anfertigte, so dass wir nun etwas mehr Platz hatten. Irgendwann hatten wir dann auch endlich einen Schrank gefunden der in das Zimmer passte, so dass ich meine Klamotten endlich ordentlich unterbringen konnte ^^"
Probleme gab es mit all diesen Dingen dennoch, weil wir uns gefühlt nie wirklich einig werden konnten. Die Motivation der beiden Mitbewohner sich irgendwie an der Wohnungsgestaltung zu beteiligen war auch gleich null, und so haben wir z.B. auch heute, 3 Jahre nach dem Einzug, noch keine anständigen Lampen in der Wohnung.

Für mich stand von Anfang an fest: damit ich mich wohlfühlen kann, muss es in der Wohnung sauber sein. Dass ich damit zunächst alleine auf weiter Flur dastand, wurde mir erst nach ein paar Wochen schmerzlich bewusst.
Ich putzte einmal in der Woche die ganze Wohnung, außer den beiden Zimmern unserer Mitbewohner. Und es machte mir am Anfang auch nichts aus, da ich es ja für mich selbst Schön und Sauber haben wollte. Doch nach und nach ging es mir einfach fürchterlich auf den Nerv, nicht dass keiner den Anstand hatte einen Finger zu rühren um mir zu helfen, sondern dass sich niemand einen Dreck darum scherte wenn alles frisch geputzt war, und ich mehr als einmal nur eine Stunde nachdem ich in der Küche fertig war, diese wieder verwüstet und verdreckt vorfand, weil jemand auf die Idee kam zu kochen und es nicht für nötig gehalten hat dabei aufzupassen nicht alles gleich wieder einzusaun....

Unser Zimmer - im Vordergrund die Leiter vom Hochbett, links bzw im Rücken des Betrachters steht noch der Schreibtisch. Das Chaos erklärt sich dadurch dass ich an dem Tag von einem Festival zurück kam :'D Siehe Reisetasche und Campingzeug.

Das Badezimmer. Eigentlich ja ganz okay, nur durch die ganzen schwer erreichbaren Winkel und Ecken die Hölle zu putzen :'D Die Duschwand springt jedes zweite Mal aus der Schiene, die Abflüsse sind quasi dauer-verstopft und im Sommer glaubt man die Therme fliegt einem gleich um die Ohren wenn man sie Morgens zum ersten Mal in Betrieb nimmt XD

Irgendwann war mein Frustrationslevel so hoch, dass ich es nicht mehr aushielt.
Zunächst begann ich mich zu weigern die Küche überhaupt zu betreten. Ich rührte dort keinen Finger mehr, aß dementsprechend auch nur unterwegs oder wenn mein Freund für mich mitkochte. Langsam aber sicher begann er auch zu verstehen und nachzuvollziehen was mich so stört, zu Beginn empfand er das alles als nicht ganz so schlimm, mittlerweile flucht er fast mehr als ich :'D
Ich flüchtete auch immer öfter zu meinen Eltern weil ich es in der WG einfach nicht mehr aushielt. Hinzu kam, dass wir uns untereinander nicht wirklich gut verstanden und man über nichts reden konnte, weil sofort schlechte Stimmung herrschte. Ich erinnere mich noch daran, als ich einmal putzte und im Bad wegräumte, und mich einer der Jungs daraufhin total aggressiv anschnauzte wie blöd ich eigentlich bin, weil ich die Rasierer der beiden Brüder weggeräumt habe und die ja beide gleich aussehen, und nun wisse er nicht mehr welcher seiner war. Ich war echt fassungslos. Das war dann so ziemlich der Stein des Anstoßes dass ich überhaupt nichts mehr gemacht habe, und mich weigerte zu putzen. ^^" (was auch nicht wirklich irgendwen interessierte)
Zu dieser Zeit ging es mir echt dreckig und ich nahm innerhalb von zwei Monaten auf 46kg ab weil ich weder Essen wollte, und durch die Streitereien die meiste Zeit auch einfach Magenschmerzen hatte und nichts Essen konnte....
Der Ort des Horrors. Die Küche war schon so vorhanden, wir haben dann noch so eine "Theke" bei Ikea gekauft, die in der Ecke rechts steht. Mir ist bis heute Schleierhaft wie man es schaffen kann einen Raum jedesmal innerhalb kürzester Zeit so verkommen zu lassen, aber ich gebe es mittlerweile auch auf mich zu wundern. Der Hauptgrund ist wohl, dass man benütztes Geschirr lieber überall verteilt anstatt es gleich abzuspülen.

Doch im Frühjahr 2010 darauf fiel meine Entscheidung nach Krems auf die FH zu gehen, und somit stand fest dass ich zumindest wochentags nicht mehr in der WG wohnen würde. Für mich damals eine absolute Erleichterung, und ich war unheimlich froh mein Zimmer im Studentenwohnheim, mein kleines eigenes Reich, für mich zu haben. Die Wochenenden verbrachte ich natürlich bei meinem Freund, ich denke die Distanz half uns auch wieder besser miteinander auszukommen. An den Wochenenden genossen wir die Zeit die wir hatten einfach mehr, und ich fühlte mich auch wieder wohler in der WG. Zwar war es nicht schöner oder sauberer geworden, aber ich hatte eine "Scheuklappentechnik" und ignorierte das was mich störte einfach konsequent. ^^"

Irgendwie rauften wir uns dann auch wieder zusammen und das zusammenleben wurde angenehmer, einfacher. Vielleicht auch einfach weil ich wusste, dass ich Sonntag Abend einfach wieder abhauen kann. Ich weigerte mich weiter zu putzen, da ich genau wusste wenn ich Freitags nach der Uni heim komme, dann in meinem Zimmer im Wohnheim putze, dann nach Wien fahre und dort erstmal putze, es mit Glück 2 Tage schön habe, aber dann am Sonntag ja wieder fahre und mich in der nächsten Woche das selbe Spielchen erwarten würde... Aber irgendwie gewöhnte ich mich daran, dass es nun mal eben jetzt so ist.
Und nicht zuletzt verstand ich mich wieder sehr viel besser mit meiner Mutter, was für mich ein unschlagbarer Vorteil dieser Situation war. Denn auch wenn die WG nie wirklich zu einem "Zuhause" für mich wurde, und das einzige was mich an diesem Ort hielt mein Freund war, so fühlte ich mich dafür bei meinen Eltern wieder mehr wohl und "zu Hause".

Was mich immer am meisten an der Wohnung störte, war dass ich niemanden hierher einladen konnte bzw. wollte, weil ich mich so sehr für die Unordnung schämte. Aber selbst wenn ich unser Zimmer perfekt aufräumte und putzte, so konnte ich nicht die anderen Räume auch immer alleine sauber halten, und das wollte ich eigentlich niemandem zumuten.

Ich bin wirklich froh dass niemand aus meiner Familie mir Vorwürfe macht oder mit dem Klassiker "Ich hab's dir doch gesagt..." daher kommt. Natürlich haben sie mir alle vorher gesagt, dass es keine gute Idee ist. Dass ich es mir nochmal überlegen soll. Aber ich war einfach trotzig, zumal mein Hauptgrund für den Auszug ja war, dass ich Abstand zu meiner Mutter gewinnen wollte, um nicht mehr mit ihr zu streiten. Und diesen Zweck hat die Sache ja irgendwie auch erfüllt.

Gerade am Anfang mussten wir uns auch irgendwie erst zusammen raufen und lernen wie es überhaupt ist, alleine zu wohnen. Mein Freund zum Beispiel war immer äußerst schnell allen Freunden die fragten, eine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Als wir noch kein Gästebett hatten schliefen diese Gäste dann oft in unserem Bett, was mich, wie ich zugeben muss, schon irgendwie gestört hat XD

Kurze Zeit wohnten wir hier auf 90m² sogar zu sechst, weil im Wohnzimmer die Schwester meines Freundes einzog, und ihr Freund auch öfters da war. Wobei ich sagen muss, dass das sogar etwas Besser funktioniert hat als sonst - weil unseren beiden Mitbewohner sie sehr respektieren und mögen und sich glaube ich ihretwegen etwas rücksichtsvoller benommen haben :'D 

Auch wunderbar waren die häufigen Episoden wo mein Freund mich rügte weil ich nach dem Bürsten meiner Haare die Haare nicht aus dem Waschbecken geholt hätte oder welche übersehen habe (was Abends wenn man schon die Kontaktlinsen raus hat nicht so unverständlich ist). Was natürlich wenn man mit drei Männern zusammen lebt, die beim Rasieren wirklich im ganzen Bad ihre verdammten Bartstoppeln verteilen absolut witzig ist :'D


Ich persönlich kann nur jedem raten, sich sehr genau zu überlegen, ob man wirklich für eine WG geeignet ist.
Man muss schon einiges aushalten, und sollte nicht zu sensibel sein, sowohl was persönliches als auch alltägliche Dinge betrifft. Dass bei uns teilweise schmutziges Geschirr rumstand bis es schimmelte war keine Seltenheit. Erst gestern habe ich mir die Haare gefärbt, und was war natürlich eine ziemliche Sauerei - ich sage nur, danach war das Bad sauberer als zuvor, weil ich natürlich geputzt habe. Doch gleich heute Morgen sah es wieder aus wie Sau.
Das sind Dinge deren man sich vorher Bewusst sein sollte. Gegenüber so etwas sollte man Resistent sein, oder sich mit seinen Mitbewohnern so gut verstehen dass man rational darüber reden kann (was bei uns nicht geht bzw nie funktioniert hat.)

Klar hat das WG-Leben auch seine lustigen Seiten.
Wir als "Zocker-WG" hatten quasi jeden Tag wenn wir wollten eine kleine LAN. Äquivalent dazu haben wahrscheinlich andere WGs jedes Wochenende rauschende Parties :'D Und wir hatten auch viel Spaß. Aber dennoch gab es vor allem in letzter Zeit immer mehr Konfliktpunkte, nicht zuletzt weil unsere beiden Mitbewohner Brüder sind und sich auch nicht immer vertragen. Es gab Streit wegen der Unordnung, wegen Geld, wegen rücksichtslosen Verhaltens (Musik/Lärm, verschwundenes Essen...) .... ich glaube es gibt nichts worüber wir nicht schon mal gestritten hätten :'D

Also mein Rat an alle, die erwägen in eine WG zu ziehen: Überlegt es euch vorher wirklich sehr, sehr gut.
Ich für meinen Teil kann sagen dass die Vorteile die Nachteile immer noch überwiegen, und es die richtige Entscheidung war (da meine Mutter und ich uns sonst wahrscheinlich die Köpfe eingeschlagen hätten XD) aber dennoch bin ich sehr sehr froh, dass dies meine letzten Wochen in dieser "Wohnsituation" sein werden.
Der Mietvertrag läuft Ende September, wenn ich schon weg bin, aus, und mein Freund und der jüngere der beiden Bruder wollen sich gemeinsam eine neue Wohnung suchen. Der ältere Bruder zieht mit Freunden zusammen. Wenn ich zurückkomme von Finnland, werde ich vermutlich zurück zu meinen Eltern ziehen, wenn die Wohnung der beiden recht klein ist, ansonsten vielleicht auch wieder in eine WG.
Vielleicht.
Ich bin noch nicht sicher ob ich das wirklich aushalte XD

7 comments:

  1. Kann dein Nervpotential ich absolut nachvollziehen...selbst eine 2er-WG kann echt nervenaufreibend sein. Ich hatte damals das Glück, dass ich mit einer Freundin zusammengezogen bin und da schon das Verhältnis ein anderes ist.

    Ich hatte das Thema erst letztens mit ein Freundin... Bei ihr ist es auch so (wie bei mir), dass z.B. mein Geschirr, was auch mal ein-zwei Tage rumsteht, nicht so stört - wenn es von meiner Mitbewohnerkm war, hab ich die Krise bekommen ^^'
    Klar, war die Zeit um Großen und Ganzen definitiv eine der schönsten Zeiten, vorallem, weil wir beide den gleichen Musikgeschmack hatten und somit auch viel zusammen gemacht haben, aber im Endeffekt bin ich vom WG-Leben geheilt. Man entwickelt in einer eigenen Wohnung (auch, wenn es nur ein Zimmer wie bei dir ist) einfach seine Eigenheiten und auch seine Macken, die man sich einfach nicht mehr angewöhnt (oder abgewöhnen will). Und es war dann nach meinem Auszug auch so, das wir gar nicht mehr miteinander gesprochen haben, was sich mittlerweile aber gelegt hat.
    Fazit: es war schön, muss aber ni nochma sein :)

    LG

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  2. Ich wollte früher unbedingt eine WG, das stellte ich mir "cool" und "studentisch" und absolut toll vor. Als ich dann meinen Freund kennen lernte, spaßten wir schon in der ersten Woche unseres Kennens herum und meinten, wir würden gemeinsam in eine WG ziehen. Irgendwann wurden die Pläne dann immer fester, wir wollten gemeinsam mit einem Freund von ihm zusammenziehen. Irgendwann planten wir aber noch genauer und stellten fest - eine WG ist nichts für uns.
    Und so haben wir dann vor ca einem Jahr einen Wohnungsantrag gestellt und können in ca einem Jahr einziehen :3
    Es tut mir für dich wirklich leid, dass es in deiner WG auch so viele negative Zeiten gab, aber ich hoffe dass dir die Zukunft viel Gutes bringt :D

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  3. Ohje...aber ehrlich gesagt, so stelle ich mir die meisten WGs vor...es sei denn, man ist halt wirklich sehr gut befreundet...deswegen würde ich nie nie in eine WG ziehen. Ich kenne auch eine WG von Freunden, und da ist es auch immer dreckig und unordentlich (stört die aber anscheinend nicht so, sind halt 3 Kerle...ich könnte das nicht!) Ich ziehe wenn, dann nur mit meinem Freund zusammen, ansonsten in eine kleine eigene Wohnung, und auch nicht ins Wohnheim, da sind mir auch zu viele Nachbarn auf einem Flur xD)

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  4. Halloooooooo Leidensgenossin.

    WG?
    NIE WIEDER!!!!!

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  5. Ich möchte mich bald auch ans "Abenteuer WG" wagen und kriege ein bisschen Angst... :D Allerdings hab ich bei Freunden auch schon gesehen, dass man in einer WG zusammen leben kann, ohne dass es ständig Streit gibt und alles dreckig ist, von daher hoffe ich, dass ich ein paar nette Mitbewohner erwische. Einmal im (Studenten-)Leben sollte man es vielleicht mal ausprobieren, falls es mir gar nicht gefällt, kann ich immer noch umziehen^^ Aber da ich vom Studentenwohnheim erstmal die Nase voll habe, probier ich es einfach mal aus :)

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  6. Ich habe jetzt endlich die perfekte WG gefunden, bin aber mittlerweile so weit, dass der nächste Auszug mich direkt mit meinem Zukünftigen zusammenführen soll.

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  7. Lieber Freitod als WG! Bei meinem ersten und letzten WG Erlebenis bin ich an einen totalen Psycho geraten. Dabei wirkte der so nett bei den ersten zwei Gesprächen. Ich bin dann nach 2 Wochen ausgezogen. Kennt jemand Sheldon aus BigBangTheory? Sheldon ist mit seinen Neurosen ein totaler Amateuer im Gegensatz zu dem!

    Shirtträgerin

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