Monday, January 28, 2013

Leiser #aufschrei : Gehen Sie weiter, hier gibt es KEINE Sexismus-Debatte!

(German only, sorry!)

Eigentlich wollte ich zu der #aufschrei Debatte keinen eigenen Blogpost schreiben, weil mir die Zeit zu schade ist, aber ein paar Dinge muss ich dann doch loswerden.

Erster Disclaimer:
Gleich mal vornweg, dieser Post ist sicherlich ziemlich wirr zu lesen, ich schreibe ja auch einfach nur meine Gedanken dazu, fühle mich des Deutschen noch immer nicht wieder zu 100% mächtig und bin auch einfach schon zu verdrossen was das Thema betrifft, hauptsächlich wegen der Aggressivität mit der da vorgegangen und diskutiert wird. Daher will ich auch keine aggressiven, beleidigenden oder sonstwie un-netten Kommentare hier sehen, also spart sie euch gleich, liebe potentielle Anons. Es ist meine Meinung, und wer argumentiert kann mich umstimmen, und wer herumschreit und -pöbelt wird es garantiert nicht schaffen.

Zweiter Disclaimer:
Diese Debatte leidet unter der Vermischung von Sexismus, sexueller Belästigung und sexueller Gewalt. Das ist ein Problem, da vor allem wenn man gemäßigtere Meinungen zum Thema Sexismus vertritt (so wie ich) vermutlich recht schnell den Eindruck erweckt jemanden, der Opfer sexueller Gewalt wurde, zu verletzen und das, was der Person passiert ist als Lappalie abzutun. Das will ich ganz bestimmt nicht.

Ich will damit auf keinen Fall jemandem, dem so etwas passiert ist, absprechen dass solche Erlebnisse einfach nur Scheiße sind. Genauso wenig will ich Personen, die nicht in der Lage sind, die Grenzen anderer zu respektieren, in Schutz nehmen.

Was ich will, ist versuchen zu erklären, wieso ich glaube das diese Debatte so wie sie im Moment geführt wird, und Feminismus im Allgemeinen, wie er im Moment betrieben wird, nicht funktionieren kann oder zumindest für mich nicht funktioniert. Was ich aber an dieser Stelle auch betonen möchte, ist dass ich die Tatsache, dass es den #aufschrei gibt, und Frauen so offen über ihre Erlebnisse reden könne, ausgesprochen wichtig und gut finde. Man muss darüber reden. Aber man muss eben auch miteinander reden, und einander zuhören, sonst kommt am Ende nichts dabei heraus. Und weil dann über ein paar Artikel und Blogposts Marke "Du bist ein Mann? Deine Meinung interessiert mich nicht - du hast in dem Thema nichts zu sagen!" lese, muss ich eben doch meinen Senf dazu geben, weil ich der Meinung bin, dass wer kommuinzieren will, und wer verlangt dass Kommunikation verbessert wird, in diesem Fall auch die andere Seite anhören muss.


Zur Sache:

Erlebnisse zum Thema Belästigung

Ich habe ja auf twitter geschrieben dass ich froh bin nichts zum #aufschrei beizutragen zu haben, weil mir noch nie mit "Alltags-Sexismus" begegnet wurde, und stellte dann mit großem Interesse fest dass ich damit nicht alleine bin. Auf der anderen Seite las ich in den letzten Tagen viele der #aufschrei Tweets, viele Blogsposts von unterschiedlichen Meinungen, viele Kommentare - darunter auch einen gewissen Blogbeitrag (der sich übrigens zu einem großen Teil mit meiner Meinung deckt - nachlesen könnt ihr ihn hier) wo jemand auf eine ähnliche Aussage die Frage stellte: "Bist du dir da ganz sicher?" 

Ich habe nochmal darüber nachgedacht, und komme zu dem Schluss - Ja. Ich bin mir sicher. Ich bin mir absolut sicher dass ich in meinem ganzen Leben, in 22 Jahren, keinem Sexismus ausgesetzt war - jedenfalls keinem der mich so geprägt, so bedrückt hätte, dass ich es bis heute als für mein Leben irgendwie relevant oder eben "merkenswert" empfunden hätte. 

In der Folge habe ich dann noch weiter darüber nachgedacht, und mich gefragt, warum das wohl so ist, dass es mir so erging, und anderen anders. Und ob es wirklich keine Ereignisse gab, die jemand anderes in meiner Situation vielleicht als unangenehm empfunden hätte?

Generell muss ich sagen, dass es mir auf der Straße doch erstaunlich selten passiert das mir jemand nachruft oder nachpfeift oder mein Aussehen kommentiert. Ich kann mich zum Beispiel überhaupt nicht erinnern dass mir das überhaupt schon je so passiert wäre. Zumindest nicht so, dass ich es als unangenehm empfunden hätte. Wenn überhaupt wurden mir auch keine zotigen Aufforderungen hinterher gerufen, sondern vielleicht ein paar Mal Beleidigungen (à la "Boah bist du hässlich", ich erinnere mich da noch an die eine Situation vor knapp zwei Jahren wor mir eine Gruppe etwa 12-jähriger Jugendlicher, Jungs und Mädels gemischt, im Vorbeigehen zu sagen hätten ich sei eine hässliche Missgeburt und mich mit Essen bewarfen). Und zwar von Frauen- wie Männergruppen gleichermaßen.

So, jetzt kann man natürlich darüber streiten was unangenehmer ist. Auf der Straße hinterhergepfiffen zu bekommen, oder ausgelacht zu werden wenn man vorbeigeht. Von Fremden gefragt zu bekommen ob man "Bock auf ne Nummer hat" oder gesagt zu bekommen dass man eine "hässliche Missgeburt ist". Vielleicht hatte ich einfach eine zweifelhafte Form von Glück dass mir in meinem Leben immer nur Dinge aus der zweiten "Kategorie" widerfahren sind. Egal wie man es nennt - der Knackpunkt an der Sache ist, dass ich mich in keiner der Situationen in Bezug auf meine "Weiblichkeit" angegriffen gefühlt habe. Ich habe mich als Person angegriffen und verletzt gefühlt, aber es würde mir nicht im Traum einfallen das jetzt als Sexismus zu schieben. Ja, diese Menschen sind halt Arschlöcher, nur ein Grund mehr warum mich sowas nach dem ersten Moment der Wut einfach kalt lässt. 

Ich bin sicher in einer sehr privilegierten Situation, dass ich so darüber reden kann, und beneide die zahllosen Frauen, die teilweise wirklich ekelhafte und unangenehme Situationen auf twitter geschildert haben DEFINITIV NICHT. 

Deswegen sehe ich mich allerdings auch in eine Position, in der ich diese Debatte (bezüglich Sexismus, NICHT bezüglich sexueller Übrgriffe!) ein wenig von Außen betrachten und etwas anders beurteilen kann, als vielleicht jemand der schon oft von Männern bedrängt/enttäuscht/etc. wurde.

Ich definiere mich nicht über mein Geschlecht.

Ja, es gab Situationen in denen ich mich unwohl gefühlt habe. Vielleicht erinnert sich noch jemand daran wie ich von diesem Typen erzählt habe der mich Nachts verfolgt hat, bis in mein Studentenwohnheim, wo dummerweise die Eingangstüre nicht abgeschlossen war. Wenn ich daran zurückdenke wird mir jetzt noch schlecht, und mir ging es danach auch lange Zeit nicht gut. ABER - und hier kommt das große, wichtige "aber" - es wäre mir nie im Leben in den Sinn gekommen, dass das jetzt passiert weil ich eben eine "Frau" bin. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, das mit Sexismus, sexueller Belästigung oder meinem Geschlecht in Zusammenhang zu setzen. Ich kann mir zwar denken dass mir wohl als Kerl Mitten in der Nacht niemand bis zum Wohnheim nachgestellt hätte. Aber dennoch fühlte ich mich in dieser Situation nicht als "Frau die von einem Mann verfolgt wurde", daher würde ich diese Geschichte nicht unter dem #aufschrei Tag erzählen.

Es ist vermutlich schwer das zu verstehen - ich merke gerade wie schwer es mir fällt das zu erklären, daher vielleicht ein anderer, besser verständlicher Weg, zu dem was ich meine:


Ich bin.... vieles. 22 Jahre alt, Student, interessiert an vielen verschiedenen Dingen, gerne kreativ, Einzelkind, Wintersportfanatiker - und dann, irgendwann, am hintersten Ende der Liste an Dingen die ich "bin" kommt vielleicht "eine Frau". So sehe ich mich. Eine Person die aus vielen Facetten besteht, aber die Facette meines Geschlechts ist für mich persönlich nicht wichtig. Genauso wie es mir egal ist ob ein guter Freund männlich oder weiblich ist, wenn ich ihm oder ihr vertraue oder mit ihm oder ihr eine schöne Zeit haben kann. Und genau deswegen verwende ich zum Beispiel auch kein Binnen-i. Weil ich mit einem Wort, wie zB "Student" oder "Autofahrer" in erster Linie eben genau das bezeichnen möchte, eine Person die studiert oder Auto fährt, unabhängig von deren Geschlecht. Weil es in dem Bezug, in der Situation, auch keine Wichtigkeit hat bzw. haben sollte.
(Anhang: Ja, ich bin auch eine Schminktussi, mag sehr "feminine" Dinge wie Lolita und Stöckelschuhe und Blumen und Nähen - ABER vielleicht wäre ich, XY geboren, auch einfach eine Brolita oder ein männlicher Make-Up Junkie geworden :) )

So sehe ich das eben. So sehe ich mich, und so sehe ich auch die Welt.

Ich mag auch einfach keine -ismen. Und da gehört der Feminismus nunmal leider dazu. Ich bin lieber Anti-Sexistisch. Und das funktioniert meiner Meinung nach am Besten mit einer Anti-Gender-Einstellung. Einer Sichtweise, bei der man Personen vorrangig durch alles andere bestimmt, was sie ausmacht, und erst in zweiter Linie durch das Geschlecht.

Als "Frau" in "Männerrunden"

In dem anfangs von mir verlinkten Artikel versuchte ein Mann eine zuvor von einer Frau geposteten Geschichte aus seiner Sicht zu erklären und ihr im Nachhinein zu verdeutlichen wo das Kommunikationsproblem lag. Er meinte dabei sinngemäß, dass derbe Kommentare von einem Mann z.B. in einem Büroumfeld, in einer Männerrunde, nicht zwingend als zotige Anmache gemeint sind, sondern dass es auch manchmal einfach ein "Wer-ist-Stärker"-Gehabe ist. Also ein zotiger Kommentar, weil man die weibliche Mitarbeiterin als Kumpel, als "einen von uns" (aus Männersicht) betrachtet. 

Klar ist das für viele (Frauen) vermutlich schwer zu verstehen und in so einer Situation zu erkennen (und nochmal zur Sicherheit: ich rede hier nicht von sexueller Belästigung sondern von vermeintlich sexistischen Äußerungen)
Aber ich für meinen Teil kann aufgrund meiner Erfahrung sagen: Genau SO ist es einfach. Meine Erfahrungen mit Männern, Männerrunden und Männerfreundschaften bestätigen genau das.

"Männerrunden" online

Wenn man als Frau in eine Männerrunde kommt - zum Beispiel als Mädel in eine größtenteils aus männlichen Spielern bestehende Gilde in einem Onlinerollenspiel, so wie es bei mir bei World of Warcraft war, oder in einer WG mit drei Männern, wie ich es ja auch schon erlebt habe - dann passiert es nach einiger Zeit im Idealfall, dass man sich anfreundet oder zumindest annähert. In diesen Runden war es bei mir zumeist der Fall, dass nach einer Weile alle sehr "entspannt" im Umgang mit mir und miteinander waren. Anfangs passiert es da z.B. noch das jemand einen Witz über Pornos reißt, oder laut im Teamspeak rülpst, nur um sich sofort bei mir persönlich zu entschuldigen, obwohl noch andere (männliche) Spieler anwesend sind. Das geschah vielleicht zwei, drei Mal, bis die Leute kapiert hatten dass es mir am Arsch vorbeigeht. Und an diesem Punkt ist das Eis gebrochen. Wenn ein Mann keine Angst mehr haben muss dass er deine Gefühle als Frau verletzt durch einen Kommentar, einen infantil-ekelhaften Witz oder einen Rülpser, dann hast du die einmalige Chance ihn so kennenzulernen wie er wirklich ist, hinter der "starker Mann" und "Macho-Gehabe" Fassade. Die bleibt natürlich die meiste Zeit auch dann bestehen, wenn man Teil so einer Runde ist, aber wenn man bereit ist, so etwas zuzulassen kann man unschätzbar wertvolle und treue Freunde finden.

Witze über Sex und sexistische Witze

In so einer Runde werden schon mal "derbe" oder auch "anzügliche" Kommentare gemacht. Es wurde sicherlich mehr als einmal über meinen Freund und mich und unser "Privatleben" gewitzelt. Genauso wie dann aber auch über das "Privatleben" von Singles gescherzt wird. Ich für meinen Teil habe damit absolut kein Problem. Auch ich musste erst lernen, dass so etwas nicht böse oder verletzend gemeint ist, und war anfangs schon mal peinlich berührt beim einen oder anderen Kommentar. Aber ich habe schnell erkannt dass Witze über Sex und sexistische Witze bzw. sexistisches Verhalten einfach nicht das gleiche sind. Sexistisch wäre es, wenn man meine Fähigkeiten aufgrund meines Geschlechts angezweifelt hätte. Wenn man mir gesagt hätte, ich darf "nicht mitspielen" weil ich eine Frau bin. Sexistisch wäre es aber auch, wenn ich, so wie das einige andere Frauen machen, meinen Freund mit Sex erpressen würde dies oder das für mich tun (in der Onlinewelt kenne ich da einige Beispiele, in der realen Welt gibt es das aber sicherlich auch.).

(Anhang: Das klingt jetzt als wäre ich in einer sehr derben Runde von Männern unterwegs. Dem ist nicht so. Ich möchte zu ihrer Verteidigung sagen dass es immer noch ich bin, der man in der Männer-WG nachsagte "Wenn du am Wochenende da bist, sinkt das Niveau!" und ich bin stolz darauf! ;D )

Um es mit einem anderen Beispiel zu vergleichen das in den Kommentaren zu dem oben verlinkten Blogpost kam: Ein Mann erzählte, dass er im Team für die Auswahl eines neuen Mitarbeiters war. Einige der Frauen schickten trotz eindeutiger Aufforderung dies zu unterlassen, Bikinfotos mit ihren Bewerbungen. Darauf hat er sich diese natürlich besonders genau angesehen, eine der hübschen Damen auf facebook aufgesucht und sich Fotos von ihr ausgedruckt und ins Büro gehängt. (Jetzt fragt mich bitte nicht um was für einen Beruf es da ging. Das kam leider nicht heraus). Jedenfalls, wer ist da jetzt eigentlich sexistisch in seinem Verhalten? Der Mann, der das Bikinifoto ausdruckt, oder die Frau, die trotz expliziter Angaben ein aufreizendes Foto von sich schickt weil sie sich damit bessere Chancen verspricht? Ganz ehrlich, währe ich in dem Auswahl-Team gewesen, bei mir wären von vorneherein alle Bikini-Bewerbungen in die Tonne gewandert, weil ich der Meinung bin das es sehr viel über einen Menschen aussagt, wenn er sich nicht an solche banalen Regeln halten kann...

Geschlechtslose Welt und die aggressive Wurschtigkeit

Aber grundsätzlich wären wir sowieso alle besser dran, wenn wir anonymisierte oder zumindest unbebilderte Bewerbungen verschicken könnten. Generell sollten wir Menschen viel weniger nach dem beurteilen, was sie sind, sondern so sehen wie sie sind, unabhängig von ihrem Geschlecht. Versucht doch zum Beispiel mal einen Tag in eurem Leben eure Mitmenschen nicht nach "Mann" und "Frau" zu beurteilen kategorisieren, sondern nach "Arschloch" und "Kein Arschloch" und das Maß für Frauen und Männer dabei gleich anzusetzen. Vermutlich wird das zu einer komplett neuen Einteilung führen, denn wir wir uns hoffentlich alle einig sind, sind nicht alle Männer Arschlöcher und nicht alle Arschlöcher männlich.

Und dann bekommen vielleicht auch viele Aussagen oder Situationen einen anderen Kontext - wenn man sie von der Mann-Frau-Schwarz-Weiß-Malerei gesondert betrachtet. Ich fühle mich an meinem Arbeitsplatz auch mies behandelt. Klar könnte ich jetzt überlegen, ob die betreffende Person vielleicht sexistisch ist, könnte mir Gedanken machen ob diese Person die männlichen Mitarbeiter nicht vielleicht genauso scheiße behandelt wie mich oder auch nicht - aber im Grunde ist es viel einfacher zu sagen "Arschloch. Ende der Diskussion". Diese Einstellung lässt sich übrigens auch super als Abwehrmechanismus einsetzen. Bin ich am Anfang meines Praktikums noch regelmäßig in Tränen ausgebrochen nach gewissen Gesprächen, war meine Meinung dann irgendwann so gefestigt, dass ich - obwohl ich mich nicht für eine sehr selbstbewusste Person halte - mit einer absoluten Wurschtigkeitshaltung durch den Tag gehe und blöde Kommentare einfach an mir abperlen. Sie kommen zwar noch, aber die Dreistigkeit und Frequenz nimmt ab. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, und manche Leute kapieren es einfach nur so. Dazu muss man gar nicht aggressiv oder schnippisch werden. Eine einfache "Ja.... is schon gut."-Haltung reicht oftmals, um den Leuten zu vermitteln "Es reicht" und "Nicht mit mir".

Und sonst gehts noch?

Ich habe dann bei genauerer Überlegung festgestellt, dass ich, ganz unabhängig von meinem Dasein als Kellerkind, vielleicht auch noch eine Reihe anderer positiver Faktoren in meinem Leben dazu zählen müsste, um das Bild zu vervollständigen.

So wurde mir bewusst, dass ich hauptsächliche weibliche Lehrer hatte. Meine direkten Respektspersonen waren somit meist eher weiblich. Ich verwende jetzt absichtlich nicht das Wort "Rollenbilder" in diesem Kontext. Keine der weiblichen Lehrkräfte die ich hatte würde ich als Vorbild benennen, aber es ist vielleicht doch etwas was dazu beigetragen hat dass ich keinem (oder weniger) Sexismus ausgesetzt war, z.B. bei Benotung o.Ä. Andererseits hatte ich auch einen sehr guten männlichen Deutschlehrer, der definitiv nicht sexistisch war. Meine oben benannte Wurschtigkeitshaltung hatte ich allerdings schon damals und scheute mich auch nicht so vor jenen die es verdienten zu zeigen. "Aggressive Wurschtigkeit" sozusagen. Die hilft übrigens auch gegen Frauen, die einen scheiße behandeln. Soll es ja auch geben.

Anekdote zum Schluss

Hach, beinahe hätte ich es vergessen. Da gab es natürlich diesen einen Fall, wo ich definitiv und offen mit Sexismus konfrontiert wurde. Und zwar durch einen Gastlehrer an unserer FH. Der war allerdings so ein vollkommen vertrottelter Nichtskönner (Stichwort: Wikipedia-Artikel vorlesen und das dann "Unterricht" nennen), dass es neben der unterschiedlichen Behandlung (von der Benotung weiß ich nichts weil anonymisiert) von weiblichen und männlichen Studenten genug Gründe gab sich über ihn aufzuregen, die dann in Summe zu seiner Entlassung geführt haben.

Meine Einstellung in dieser Situation war neben der üblichen aggressiven Wurschtigkeit, eine militante Ignoranz dieser Person gegenüber (man kann Leute so ignorieren dass sie es merken und es ihnen unangenehm wird, und dabei trotzdem mit ihnen sprechen. Funktioniert wunderbar bei Vorgesetzten/"Respektspersonen"), und Trost fand ich in dem Gedanken, dass er mit seinen fast 80 Jahren offensichtlich aus der Steinzeit kommt, aber es wohl eh nicht mehr lange macht. Nebenher habe ich mich natürlich auch für seine Entlassung eingesetzt.

Das relativiert natürlich meine Anfangs getätigte Aussage "Ich bin mir sicher in den 22 Jahren meines Lebens niemals Sexismus ausgesetzt worden zu sein". Aber andererseits - es ging mir am Arsch vorbei. Ja, ich bin unfassbar privilegiert und sehr, sehr glücklich dass es mir in all der Zeit wirklich nur ein einziges Mal widerfuhr, dass ich so etwas selbst spüren musste, und vielleicht sieht man die Situation wirklich anders wenn man immer und immer wieder Opfer von Benachteiligung im Job oder im Studium wird. Aber vielleicht kann man mit meinem kleinen Erlebnisbericht trotzdem etwas anfangen, und ich kann die eine oder andere Person zum nachdenken anregen und allgemein ein bisschen zum "aufeinander zu gehen" beitragen (all hail the naive).

Mit geht es ja, wie schon mehrmals betont, auch eher um die Kommunikation zwischen vielen Männern und Frauen, die wenn sie entgleist zu so einer Debatte führt. Grenzen müssen akzeptiert werden, ohne Frage, und wenn ich als Frau deutlich mache dass ich nichts von einem Typen will hat er das auch anzunehmen. Klar. Ich wollte damit nur sagen dass es gerade im Alltag vielleicht hilft, dem Sexismus mit "aggressiver Ignoranz" zu begegnen, um ihn abzuschwächen und auszumerzen (und damit meine ich bitte nicht Ignoranz des PROBLESM, bitte, danke.)


FAZIT:

Wenn es um Sexismus geht, sehe ich es als Ziel, sich aneinander anzunähern statt sich voneinander abzugrenzen. Das fängt aber auch bei jedem selbst an. Wie weit bin ich bereit, auf mein Gegenüber einzugehen? Vieles löst sich dann vielleicht von selbst, denn auch wenn es sehr subtil erscheint: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Was ich auf mein Umfeld ausstrahle, bekomme ich zurück. Man muss auch bereit sein, einen Schritt auf die andere Seite zuzugehen, und das zeigt man ganz sicher nicht dadurch indem man Männer im allgemeinen und dann auch noch ganz besonders die (!) die Verständnis und sich solidarisch zeigen, ausschließt.

 Es kann nicht sein, dass wir uns mit rund 50 % aller Menschen solidarisieren, und die anderen 50 % verdammen, einfach nur aufgrund des Geschlechts. Ich für meinen teil will das nicht. Ich will als Individuum akzeptiert werden und sehe mich als Teil vieler Gemeinschaften, aber in 99% der Fälle wenn jemand von "die Frauen" spricht, oder "wir Frauen" - selbst wenn oder gerade wenn es FeministInnen sind - dann fühle ich mich nicht angesprochen.

Ich glaube, der beste Weg weg von Sexismus ist die Aufgabe eines von Gender Binary bestimmten Weltbildes. Ein Aufbrechen der Schwarz-Weiß-Struktur in die tausenden kleinen Facetten die unser Leben so viel mehr bestimmen als unser zweites Geschlechtschromosom. Zumindest meines. Und ich kann euch sagen, ich bin unendlich glücklich darüber dass das bei mir so ist, und wünsche es von Herzen jedem anderen Menschen auch.

Wenn es andererseits um Straftaten mit sexuellen Hintergrund geht, bin ich froh, dass es #aufschrei gibt, weil es vielleicht dem einen oder anderen Opfer einer Straftat jetzt gelingt, darüber zu sprechen, Mut zu fassen, anzuklagen, aufzuarbeiten. Das ist absolut wünschenswert und ein positiver Aspekt dieser Kampagne.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Diskussion noch weitergeht, allerdings würde ich mir echt wünschen, dass sie mehr konstruktiv und weniger aggressiv geführt wird. Und ich hoffe mal dass zumindest einigermaßen verständlich war was ich hier eigentlich sagen wollte, und mich jetzt nicht gleich ein paar Leute in der Luft zerfetzen :3

10 comments:

  1. Kann das bitte irgendeine Zeitung veröffentlichen ? Ich fand den Text mal abartigst gut.

    Ich war eigentlich seit ich denken kann pro-Feminismus. Sogar noch einen Schritt weiter und zwar gegen das völlige Aufheben von Geschlechterrollen, Klischees und sozialen Unterschieden für beide Seiten und für 'ne Art Gleichstellung, soweit sich das nur irgendwie realisieren lässt. Ich hab selbst hundert mal mehr schlechte Erfahrungen mit dem eigenen als mit dem weiblichen Geschlecht gemacht und es ist halt einfach so, dass man immer mal wieder sieht, dass da gesellschaftlich noch irgendwas falsch läuft.
    Trotzdem passiert es dann plötzlich, dass man mit Frauen oder Mädchen konfrontiert wird, die einen nur auf Grund des Geschlechts in die Arschlochschublade packen und das ohne auch nur einen Satz mit dir gesprochen zu haben.
    Mir ist ja klar wie scheiße einige Typen sein können. Ich glaube sogar aus männlicher Sicht kriegt man manchmal noch viel mehr mit als sowieso schon, aber deswegen kann ich ja nicht mal eben mein Geschlecht ändern.

    Ich weiß nach wie vor nicht, warum immernoch so stark zwischen den Geschlechtern unterschieden werden muss. Hoffe ja, dass sich das irgendwann lockert.

    ReplyDelete
  2. Ich gebe zu, ich habe jetzt nur bis zur Hälfte gelesen. Zunächst, weil ich jetzt keine Zeit mehr habe, aber auch, weil ich einfach nichts anderes als zustimmen werde. Das was du geschrieben hast, ist einfach 100% meine Meinung. Danke für deine Mühe, das aufzuschreiben <3

    ReplyDelete
  3. Ich finde es auch sinnlos, dass aus der #aufschrei Aktion jetzt sowas wird. Ich habe einen Tweet dazu gemacht auch wenn ich hunderte schreiben hätte können (in der Gastronomie muss man mit sowas rechnen). Aber, dass es jetzt voll auf Feminismus abzieht finde ich persönlich doof. Ich hab nichts mehr dazu geschrieben weil sich alle Frauen darstellen wie wehrlose Kücken. Den Stammgast der mich so deppat angemacht hat und dann noch weiter so redete (was jetzt allerdings nicht jugendfrei wäre) habe ich rausgeworfen. Ich hab das Recht dazu und ich kann was machen. Bei einigen Dingen die ich lese wäre das leicht möglich gewesen, wo dann aber die Rechtfertigung kam "Ohja ich bin ja ne Frau, ich kann mich nicht so wehren wie Männer"
    (Gewaltverbrechen jetzt mal ausgeschlossen)
    Ich hasse es einfach wenn sich Frauen, die ja an sich gleichberechtigt sein wollen, hinstellen wie kleine Kinder... Und schlimmer noch: alles dann auf sämtliche männliche Wesen des Planeten schieben.
    Ja, es gibt Arschlöcher ist so, aber wenn als Betroffene/r dann einfach nichts tut und still schweigt, was dann? Ja, dann machen die paar Arschlöcher auf der Welt weiter.
    Egal wer jetzt so deppat ist, ob Frau oder Mann, man muss ihnen von sich aus die Grenzen zeigen und sich wehren.

    Egal wie viele Vorfälle es in meinen Leben schon gab: im Endeffekt ist es mir prinzipiell egal was für ein Geschlecht mein Gegenüber hat. Und wenns ein Kerl ist und ich schon oft negative Erfahrungen gemacht habe, heißt es noch lange nicht dass ich mit einer voreingenommenen Meinung auf jemanden zugehe. Und derbe Witze die du ansprichst: achja das kenn ich. Wenn man zwei ältere Brüder hat is man das von klein auf gewohnt ;D

    ReplyDelete
  4. Danke danke danke für diesen schönen Text Varis.

    ReplyDelete
  5. toller Beitrag! Ich seh's wie du, manchmal werden einfach Sachen aufgeblasen, bis zum geht-nicht-mehr. Da muss an jedes Wort eine weibliche Endung, damit sich ja keiner beleidigt fühlt. In jedem Kinderbuch muss eine bestimmte Anzahl Mädchen vorkommen, aber bitte auch welche mit kurzen Haaren, denn es soll ja keiner ausgeschlossen werden...
    Dann wird in Deutschland eine Frauenquote eingeführt, super. Weil ich es als Frau nicht selbst schaffe, mir eine gute Stelle zu angeln? Damit das Unternehmen mich nur einstellt, damit es eine Quote erfüllt? Frag ich mich dann nicht immer, ob mein männlicher Kollege qualifizierter gewesen wäre? Ist nicht gerade das sexuell diskriminierend?

    Warum führt man nicht einfach eine anonyme Bewerbung ein? Nach Qualifikation bewerten, nicht nach Äußerlichkeiten oder Geschlecht. DAS wär doch mal ein Ansatz!

    Ich kenn es übrigens,(auch noch von WoW Zeiten teilweise^^)eines der wenigen Mädels zu sein. Hat sich nie einer dran gestört. Versaute Witze waren an der Tagesordnung. Und wer hat die heftigsten gekloppt? Genau, wir Mädels. Und ja, so lernt man auch, mit dummen Witzen umzugehen. Die gemacht werden, weil man Teil der Gruppe ist - und nicht, weil man eine Frau ist.

    Sexuell belästigt worden? Bin ich noch nie. Auch wenn ich öfter mal blöde Sprüche höre "Ohhh, ey, tolle Beine! Schöne Augen!" Meine Reaktion auf sowas ist Augenrollen, ich denke: habt ihr denn nichts besseres zu tun?! Aber andererseits, wenn sowas von einer Frau kommt, dann würde ich es einfach als Kompliment annehmen. Obwohl es von einer Frau, genauso als Anmache gemeint sein könnte - ich weiß ja nicht, ob sie lesbisch oder bisexuell ist. Vielleicht war das von den Herren auch nicht als Anmache gemeint, sondern ein Kompliment? Bin ich also sexistisch, wenn ich mich drüber aufrege?

    Ich hab nachgedacht, alles, womit ich bisher angesprochen wurde, waren Komplimente, wenn auch etwas plump und nervig, aber immerhin. Aber es kam nie etwas negatives, kein "willst du fi...?" oder ähnliches. Vielleicht sind wir so darauf getrimmt, alles negativ zu sehen. Direkt zu vermuten, da will uns einer anmachen, am liebsten in den nächsten Busch zerren! Vielleicht sollten wir sowas einfach mal locker hinnehmen und uns über ein Kompliment freuen?

    (Achtung, ich schreibe jetzt von einem kurzen Spruch, die Sache sieht natürlich anders aus, wenn ich bedrängt werde... was mir zum Glück noch nie passiert ist.)

    Statt sich also über die korrekte Endungen in Anreden aufzuregen, sollte man mal die Hilfe für Opfer der echten Verbrechen erweitern. Die Opfer dazu ermutigen, sich mitzuteilen, zur Polizei zu gehen. Härtere Strafen für Vergewaltiger verhängen.
    Und vor allem nicht gleich jeden Mann als Schwein abstempeln, die haben auch Gefühle O_o

    ReplyDelete
  6. Ich habe dieses #Aufschreiblabla überhaupt nicht mitbekommen und stand wieder total bedeppert da in meinem kleinen Twitteruniversum.

    Mir ist das ganze eigentlich auch ziemlich egal, wenn mir eine Person dumm kommt, weil ich Brüste habe, dann hat er mit meinem Mittelfinger zu leben ;)

    Ich mag deine Wurschtigkeit, die ist toll :D
    Und Männerrunden ohne Sexwitze? Ohne doofe Zweideutigkeiten?
    Onlinegames ohne Zweideutigkeiten?
    TS Runden ohne all das?
    Wozu sollte ich dann zocken :D
    Wenn es so wäre, wäre ich wohl Schminktussi geworden...und würde jetzt Videos auf youtube machen und jeden blocken, der böse Wörter in den Mund nimmt ;D

    ReplyDelete
  7. Ich war leider als Informatik-Stundentin schon öfters Sexismus ("positiv" und "negativ") ausgesetzt. Ich habe auch fast nur männliche Freunde und liebe den derben Humor und Sexwitze, im Arbeitsumfeld (also nicht zwischen Studenten sondern zwischen Professoren, Assistenten, Tutoren und Studenten) finde ich es aber einfach sehr unpassend. Zum Beispiel musste ich mir von einer ganzen Gruppe von Tutoren schon über 20 Minuten anhören, dass sicher eine gute Note herausschaut wenn ich mich sexy anziehe und "andere Bedürfnisse" befriedige. Ich hatte keine Angst, war aber leider zu verblüfft, gut zu kontern.

    Ich wurde auch schon sexuell belästigt (ein paar mal im Bus am Oberschenkel/im Schritt angegrapscht, in der Disko am Arsch und der Brust von Wildfremden angetatscht) und einmal fast vergewaltigt. Von anzüglichen Sprüchen in der Öffentlichkeit rede ich mal gar nicht, die finde ich aber auch nicht so schlimm sondern eher amüsant. ;)

    Solche Dinge führe ich schon eindeutig auf mein Geschlecht zurück, und mit 20 Jahren ist mir das leider auch schon oft passiert... ohne, dass ich mich irgendwie riskant verhalte. Deshalb kann ich die Aufschrei Kampagne definitiv gut verstehen. Allerdings wird sie meiner Meinung nach zu emotional geführt, und wie du sagst, verhärten sich leider die Fronten und es wird teilweise sehr Männer-ablehnend. Ich kenne zuviele tolle Männer um da nicht böse zu werden (unter anderem meinen langjährigen Freund, meinen Vater, meine Kumpels etc.).

    Außerdem finde ich die Po-Grapsch-Debatte in Österreich auch etwas übertrieben. Man sollte schon rechtlich dagegen vorgehen, aber strafrechtlich mit Gefängnisstrafe? Als "Opfer" finde ich das schon übertrieben für einen unangenehmen Moment.

    Also kurz gesagt: Ich finde die eigentliche Idee der Kampagne total toll!! Die Umsetzung leider teilweise nicht, deshalb hab ich mich auch nicht daran beteiligt.

    ReplyDelete
    Replies
    1. Das ist natürlich ganz klar nicht in Orndung was dir da widerfahren ist :( Ich habe ein Semester Physik studiert, da waren wir auch nur eine handvoll Frauen, aber mit so einem Verhalten wurde ich zum Glück auch dort nicht konforntiert.

      Ich finde die Kampagne ja grundsätzlich auch gut! Einigen Männern muss klar gemacht werden, dass sie tagtäglich Grenzen überschreiten. Was ich jedoch absolut nicht abkann ist die Haltung einiger Frauen, die meinen "Männer haben nichst zu melden!". Erst letztens wieder von einer gelesen, die sich darüber aufgeregt hat dass Männer sich nicht zu entschuldigen haben, und auch überhaupt nichts dazu beitragen dürfen, weil sie sich dadurch ja nur als Opfer darstellen wollen. So was verstehe ich einfach nicht, denn ich finde es unheimlich wichtig da auch mal die andere Seite anzuhören, und deren Ansicht zu verstehen versuchen. Eben dass zB unter Männern anzügliches Gerede oder Kommentare über die Sexualität untereinander durchaus Gang und Gebe ist in manchen Kreisen, und wenn man als Frau dann reingerät ist das den Männern vielleicht nicht einmal bewusst, dass ihr das unangenehm sein könnte :( Auf jeden Fall erreicht man nichts, wenn man Männer kategorisch ausschließt und sich nur auf seinen Leidensgeschichten ausruht bzw. sich selbst und die ganze Sache unheimlich aufplustert - so wie das einige machen - man hat geradezu das Gefühl, manche wollen nicht dass sich etwas ändert, sondern wollen nur Aufmerksamkeit.

      Das ist jetzt auch absolut nicht auf dich bezogen, ich hoffe du verstehst das nicht falsch! (Sondern auf ein paar Artikel die ich gelesen habe.) Denn ich sehe es absolut so wie du!

      Delete

Want to comment?
If you have no google+ account, you can use Open ID (for example with an URL of your twitter, homepage etc.)
Anonymous commenting is disabled, but feel free to contact me via ask.fm if you have no means of commenting here :)